Monatsarchive: Juni 2008

Durchblick

Aus einer Ermittlungsakte:

In der Hosentasche, in der sich die Keycard befand, war auch ohne Hineingreifen ein dickes Geldbündel sichtbar.

Aha.

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Absprache

Die Vorsitzende Richterin des Berufungsgericht schreibt mir:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt!

In der Strafsache gegen Wilhelm Brause liegt das Verfahren zur Terminierung in der Berufungsinstanz vor. Ich bitte mitzuteilen, in welchem Umfang dieses durchgeführt werden soll.

Hochachtungsvoll
Doppel-Name
Vorsitzende Richterin am Landgericht

Das Schreiben stammt vom 13.5.2008. Eingegangen ist es hier am 23.5.2008. Das Gericht liegt etwa 20 Minuten mit dem Fahrrad von unserer Kanzlei entfernt. Nagut, manchmal dauert’s eben.

Die Anfrage der Richterin ist üblich und sinnvoll; in vielen Fällen geht es ja nur um das Strafmaß und dann muß man nicht die ganzen Zeugen laden … Deswegen habe ich die Beantwortung der Frage versucht.

Als unsere Mitarbeiterin am Donnerstag beim Gericht anrief, teilte man ihr jedoch mit, daß Frau Doppel-Name nicht mehr zuständig sei. Jetzt sei es Frau Richterin Anderer-Doppelname. Aber sie sei auch nur noch diese Woche erreichbar. Danach mache sie erst einmal Urlaub. Und die Vertretungsrichterin (ich kenne ihren (Doppel-)Namen noch nicht) sei krank.

Ich habe die Akte dann wieder weggelegt. Sollen die Mädels sich da oben in Moabit doch erstmal sortieren und dann sehen wir weiter. Die Zeit arbeitet für meinen Mandanten …

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Besser nicht gefragt

Heute nachmittag war Antonio bei uns. Zur Wartung und Pflege unserer Caffè-Maschine. Ich bin zu ihm in die Küche:

Ciao Toni! Come stai?

Das war genau eine Frage zu viel. Sein Blick führte ohne Umwege direkt zur Schwurgerichtskammer. Ich war erleichtert, daß unsere Mitarbeiterinnen nach der Mittagspause den holländischen Käse gut verstaut hatten.

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Untauglicher Versuch

Irgendwann hat der Bewohner der Kreuzberger Paterrewohnung einmal zu oft das Küchenfenster unbeaufsichtigt offen gelassen. Jetzt hat er ein ästhetisches Problem:

Geklauter Stuhl

Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß sich der Stuhldieb aufgrund dieser Unmutsäußerung wieder bei ihm (ihr?) einfindet und den Stuhl zusammen mit einem Blumenstrauß zurückbringt: Tschulligung, war nur ein Versehen.

So sind’se, die alternativen Kreuzberger, galuben bis zur Schmerzgrenze immer nur an das Gute im Menschen.

An den Stuhldieb: Die Rückgabe des Stuhls an den Ästheten führt nicht zur Straflosigkeit. Der Diebstahl ist beendet und damit ist der strafbefreiende Rücktritt nach § 24 StGB ausgeschlossen.

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Es gibt so Tage …

… an denen man besser im Bett geblieben wäre.

Erst eine Quasi-Niederlage im Gericht: Der Richter gibt dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung statt. Der staatliche Strafanspruch geht dem Abschluß einer fundierten und vom Land finanzierten Ausbildung eben vor. Hugh, ich habe gesprochen!

Dann der Versuch, in der Kanzlei den Rechner zu starten und nach 10 Minuten immer noch dieses Bild zu sehen:

Neuer Rechner

Mainboard? Speicher? Netzteil? Gequirlte [censored] !!

Gut, daß es Menschen gibt, die mich beruhigen und mit Gelassenheit an die Diagnose gehen können, ein neues Netzteil einbauen und mich erst wieder ins Zimmer lassen, nachdem der Rechner wieder lief. Besten Dank dafür.

Glücklicherweise waren das die beiden einzigen Desaster des Tages.

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Unglaublich in Darmstadt

Der Berliner Verteidiger hat dem Darmstädter Richter mitgeteilt, daß er wegen eines Termins am Gericht in Lübben verhindert sei und die Verlegung des Termins in Darmstadt erbeten. Darauf kommt diese Reaktion:

in der Bußgeldache
gegen Rudolf Raser, geboren arn 05.07.1961,
kommt eine Verlegung nur in Betracht, wenn umgehend ein Nachweis für den Termin vor dem AG Lübben an die Nummer 06151 1992 – **** gefaxt wird.

Was glaubt so ein Richter eigentlich, was er ist? Worauf begründet sich das Recht, den Worten eines Verteidigers keinen Glauben zu schenken? Der Richter kennt den Verteidiger noch nicht einmal und erhebt ohne konkreten Anlaß inzidenter den Vorwurf falschen Vortrags. Finde ich ganz schön frech.

Oder sind das die normalen Umgangsformen, da unten in der Provinz von Darmstadt?

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Mafiöse Erpressung in der JVA Tegel?

Seit Mittwoch, dem 4. Juni 2008, müssen sich vier Häftlinge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer räuberischer Erpressung vor Gericht verantworten. Die drei aus Litauen und Kasachstan gebürtigen Männer sollen von Dezember 2006 bis Juli 2007 Mithäftlinge der Teilanstalt III unter Androhung und Ausübung von Gewalt zur Herausgabe von Geld, Gütern sowie zur Beschaffung von Drogen erpresst haben. Zur Unterstützung ihrer Forderungen setzten die Angeklagten laut Anklage auch die Verwandten der Opfer unter Druck. Mindestens fünf der Opfer sind bislang bereit, gegen ihre Peiniger auszusagen und wohnen als Nebenkläger der Verhandlung bei.

Darüber berichtet Barbara Keller auf Berlin Kriminell. Eine schwierige Beweisaufnahme wird das, weil Zeugen, die erpresst worden sein sollen, wenig Muße zur Aussage haben.

Denn als „Anscheißer“ hat man, wie er sagt, keine Schonung zu erwarten. Nando T. erklärt dem Vorsitzenden Richter Schwengers: „Entschuldigen Sie, wenn ich das so sagen: Als ‚Anscheißer‘ ist man die ‚Fotze‘ für alle. Man wird angespuckt, geschlagen, Müll wird in die Zelle gekippt. Jeder darf mal.“

Ganz schön rauhe Sitten herrschen dort im Knast. Ich denke, es ist besser, sich da fern zu halten. Jedenfalls als möglicher Insasse.

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Kaffeebrühe

Ein Hinweisschild auf einem Automaten in einem Wartebereich des Kriminalgerichts:

Igitt

Wenn ich mir so vorstelle, daß zuerst eine Suppe aus dem Automaten in einen Plastiktopf gekippt wird, danach dann durch die selbe Öffnung ein sogenannter Kaffee, dann gewinnt der Begriff „frisch gebrühter Kaffee“ eine ganz neue Bedeutung.

Bäh! Es ist unfaßbar, auf welches Niveau Menschen absinken können …

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Ganz dringend – unbedingt heute noch

Heute ist Sonntag. Auch am Wochenende sind wir erreichbar. Selbst für diesen „Notruf“, der mich heute morgen beim ersten Caffè erreicht hat:

Herr H. bittet dringend um RR. Es geht um Stadtbetrug vom Arbeitsamt, verletzten Richtern, Schwarzarbeit und seinen Vermieter. Es seien tausend Sachen und er hätte bereits Beweise.

Das wird auch noch bis Montag Zeit haben.

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Höflicher Hamburger Adel?

Ich dachte, daß in Hamburg die Umgangsformen wesentlich besser sind als hier in Kreuzberg. Aber ich befürchte Schlimmes für unsere Hauptstadt, wenn sich jetzt schon der Hamburger Adel daneben benimmt. Soeben bekomme ich eine Anfrage per eMail:

Guten Tag,

Werde von Österreichern weg. 35 Euro verfolgt, welche Mittel gibt es, um der Vollstreckung zu entgehen ?

Mit freundlichen Grüßen
Ritter R. v. R.

B*** Str. 260
2**** Hamburg

Liebe anständige Hamburger, das ist doch hoffentlich nur ein Einzelfall, oder?

Ich habe dem Rittersmann geantwortet:

Wenn Sie mich fragen, würde ich sagen, Sie könnten es einmal mit einer höflichen Anfrage bei einem Anwalt versuchen. Wenn es Ihnen gelingt, den richtigen Tonfall zu treffen und sich zudem bereits vorab für die Bemühungen um Ihr Wohl bedanken, könnte es vielleicht sein, daß er Ihnen eine Antwort gibt, die Ihnen weiterhilft.

Ich bin mal gespannt, ob da noch was kommt.

Liebe Österreicher, macht ihn platt! ;-)

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