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Jahresarchive: 2010
Die Botschaft …
… hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Das Wachstum der griechischen Wirtschaft betrug zwischen 2004 und 2007 4% pro Jahr. 2008 war es 3,2 %. Es ist eine der höchsten Wachstumsraten in der Eurozone, in der das Durchschnittswachstum 1,2% erreichte.
Quelle: Griechische Botschaft Berlin (Für den Fall, daß die Seite abtaucht, ein pdf)
Ich denke nicht, daß es nur die Griechen waren/sind, die uns auf europäischen Niveau dermaßen dreist in die Tasche lügen. Irgendwelche Aktionen und Stellungnahmen hört man derzeit allerorten; Berlin eingeschlossen.
Einige meiner Mandanten wurden für ähnliche Vorträge längere Zeit weggeschlossen … und dabei ging es nicht um Milliardenbeträge.
Anklage gegen Herrn Kachelmann
Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anklage gegen TV-Moderator Jörg Kachelmann wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall erhoben.
berichtet SPON in einer Eilmeldung.
Das ging ja verhältnismäßig flott.
Eine Ladung nach China
Im August 2007 kommt es zu einer Rangelei. Daraus entwickelt die Staatsanwaltschaft im November 2007 eine Anklageschrift. Neben den beiden Angeklagten werden dann noch acht Zeugen benannt. Im Januar 2008 wird der Geschädigte als Nebenkläger zugelassen.
Im Februar 2009 (zweitausendundneun) soll verhandelt werden. Dem Gericht gelingt es aber nicht, einem der Angeklagten eine Ladung zuzustellen, obwohl mit seiner Adresse alles in Ordnung war.
Für April 2009 wurde dann ein neuer Termin anberaumt. Darüber habe ich hier und hier (lesen!!) berichtet.
Im März 2010 sollte es weitergehen, so war es vereinbart. Nun war aber der Nebenkläger verhindert. Deswegen wurde der Termin verlegt auf Juni 2010, selbstverständlich ohne mich vorher zu fragen. Nun war ich verhindert. Der Termin wurde aufgehoben.
Der Mandant hätte die Sache ja nun gern vom Tisch. Zumal er mittlerweile in Lohn und Brot steht. Besser gesagt: In Lohn und Reis, denn er arbeitet ab Juni 2010 in China.
Das Gericht reagierte auf meine Bitte, noch vorher zu terminieren und zu verhandeln, mit dem Hinweis, die sei aus dienstlichen Gründen nicht möglich. Aha.
Der Mandant packt nun seinen Umzugskoffer und wird mir in 2 Wochen seine aktuelle chinesische Anschrift mitteilen. Wenn es dem Gericht gelingen sollte, dort fristgerecht eine Ladung zum nächsten Versuch zuzustellen, wird der Mandant einen Antrag stellen. Mangels ausreichenden Einkommens – er ist Berufsanfänger – wird er um einen Vorschuß auf die Reisekosten aus der chiniesischen Wallachei nach Berlin und zurück bitten.
Ich werde schon mal die Kommentierung der einschlägigen Verjährungsvorschriften heraussuchen.
Betrachtungsweise
Es kamen Bundestagsabgeordnete in mein Büro, um Pornographie zu betrachten.
Quelle: Jörg Tauss via taz
Strafrichter und Polizeibeamte
Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, mit einem auswärtigen Richter zu plaudern. Sein Betätigungsfeld ist das Bußgeldrecht, ein höchst anstrengender Job, wie mir er anschaulich mitteilte.
Anstrengend deswegen, weil er seine Arbeit eben sorgfältig und richtig machen möchte. Und dabei gebe es heftige Widerstände. Nicht so sehr von den Verteidigern, auch nicht von den Betroffenen, die ohne Verteidiger zur Hauptverhandlung erschienen. Diese Beteiligten bekomme er locker in den Griff.
Es seien oftmals Polizeibeamten, die ihm die Probleme bereiten. Polizeibeamte, die schlichtweg lügen, ohne daß man es ihnen nachweisen könne.
Nun lese ich erneut von den Erfahrungen eines Richters, der gleich zwei Polizeibeamte bei der Arbeit beobachten konnte und dabei gelernt hat, wie es in der Praxis zugehen kann:
Ich: “[…] ich frage mich, wann ich denn belehrt und angehört worden bin. Also §§ 55 OWi, 136 StPO”.
PB 2: “Hm, wie meinen Sie das denn?”
Ich:: “Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie mich über mein Schweigerecht belehrt haben”.
PB 1: Aber, wir haben Ihnen doch gesagt, dass Sie zu schnell gefahren sind.”
Wenn diese Polizeibeamten PB 1 und PB 2 vom Verteidiger die Frage gestellt bekommen: „Haben Sie ihn denn ordnungsgemäß belehrt?“ ist die Antwort vorhersehbar. Ich stelle sie trotzdem immer wieder.
Schade ist nur, daß der Richter, der diese Erfahrung am eigenen Leib gemacht hat, sie in der Gerichtspraxis nicht mehr anwenden darf. Jedenfalls nicht mehr als Richter, denn Herr Burhoff hat die Seiten gewechselt und geht nun einem ehrbaren Beruf ;-) nach.
Zur Klarstellung: Ich kenne auch reichlich Polizeibeamte, die ihren Job sportlich fair und rechtschaffen machen. Aber es gibt eben auch andere. Und die machen eben Richtern und Verteidigern das Leben schwer.
Rocker-Bilanz
Laut Glietsch(*) gibt es in Berlin zurzeit 17 Rockerclubs mit rund 800 Mitgliedern. 2008 waren es 13 Clubs mit 650 Mitgliedern. Aber die intensive Strafverfolgung zeige Wirkung. In den letzten fünf Jahren seien 789 Strafverfahren bearbeitet worden, 432 Festnahmen und 105 Haftbefehle erfolgt. „Ingesamt sind 325 Jahre Haft verhängt worden“, so Glietsch. Beschlagnahmt worden seien 443.000 Euro Bargeld, Rauschgift im Wert von über einer Million Euro und Vermögenswerte – auch in Form von Motorrädern – im Wert von 860.000 Euro.
Quelle: Plutonia Plarre in der taz
Irgendjemand muß ja für den Nachschub sorgen …
(*) Glietsch ist der Polizeipräsident in Berlin. crh
Kirchenkarrieren
Käßmanns Biografie weist die Brüche und Leidenschaften auf, ohne die man unglaubwürdig, verlogen oder katholischer Bischof werden kann.
Quelle: Friedrich Küppersbusch via taz
Wohin mit den Akten?
Eine perfekte Win-Win-Situation: Anwälte müssen darauf achten, daß vertrauliche Informationen, auch wenn sie in Form alter Akten und Briefe nicht mehr benötigt werden, nicht in falsche Hände gelangen. Andererseits gibt es Menschen mit Behinderungen, die arbeiten möchten.
Die Lichtenberger Werkstatt für Behinderte bringt beide Interessen zueinander.
Wir arbeiten mit dieser gemeinnützigen GmbH nun schon einige Zeit erfolgreich zusammen. Der Service ist super und die Mitarbeiter, die unsere Papiere und Datenträger abholen, sind mit Freude bei der Arbeit.
Und zuverlässig arbeitet das Unternehmen auch, belegen die uns übersandten Papiere:
Deswegen auf diesem Wege die wärmste Empfehlung an die mitlesenden Kollegen.
Sprechbewegungen
An der Kreuzung Danziger Str. / Prenzlauer Allee, wurde er durch einschalten des Blaulichts angehalten und überprüft. Der Besch. hielt dabei sein Handy in der rechten Hand und führte Sprechbewegungen durch.
[…]
Der Besch. hatte eine lallende Aussprache, seine Augen waren gerötet und seine Kleidung war geordnet und sauber.
Quelle: Strafanzeige des POK F.
Das Studium von Ermittlungsakten gehört zu den unterhaltsamen Tätigkeiten eines Strafverteidigers.
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Nazis raus – aus dem Hotel (2)
„Es kann nicht sein […] dass ein Mensch ausgegrenzt wird, nur weil er eine bestimmte politische Meinung vertritt.“ Diskriminierung aus weltanschaulichen Gründen verbiete das Grundgesetz.
Das hört sich gut an. Grundsätzlich. Nur wenn sich ein Nazi auf das Diskriminierungsverbot beruft, wird es kritisch.
Das Zitat stammt von dem Anwalt der NPD, Carsten Schrank. Die Berliner Zeitung berichtet über den Rauswurf von Udo Voigt, Bundesvorsitzender der rechtsextremen NPD, aus dem Hotel Esplanade in Bad Saarow.
Zur Begründung teilte das Esplanade dem NPD-Chef mit, dass dessen politische Überzeugung nicht vereinbar sei mit dem Anliegen des Hauses, jedem Gast „ein exzellentes Wohlfühlerlebnis zu bieten“. Der unerwünschte Gast klagt dagegen.
Auf den Ausgang des Verfahrens bin ich gespannt.
Der Prozess beginnt am 25. Mai am Landgericht Frankfurt (Oder).
Den ersten Rauswurf von Nazis aus einem Hotel, aus dem Holiday Inn in Dresden, haben zwei Mitglieder der NPD Fraktion im Sächsischen Landtag seinerzeit akzeptiert. Herr Voigt ist da noch etwas uneinsichtig.
