Kanzlei-Wanne

Blattblog

Auch das Blattblog berichtet über die Seyfried-Wanne. Wenn auch etwas schreibfaul. ;-)

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Riesenmaschine

Das Weblog der Zentrale Intelligenz Agentur GbR, Abt. Riesenmaschine, berichtet über die mal am Kottbusser Tor abgestellte Wanne:

Auf den ersten Blick zeigt dieses (von Sascha Lobo aufgenommene) Bild nichts Ungewöhnliches. Weil natürlich keiner unserer Leser mehr als maximal einen Blick auf irgendwas wirft (Kommentarautoren i.d.R. weniger), hier die Erklärung: Eine ausrangierte, von Steinwurfbeulen gezeichnete Bullenwanne dient in ihrem zweiten Leben als Werbevehikel für einen Anwalt, der dann auch noch auf Straf- und Motorradrecht spezialisiert ist.

Riesenmaschine

Quelle: Riesenmaschine

Lustig sind auch die Kommentare zu dem Blogbeitrag, die das Volk dazu abgibt.

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Die Wanne beim Amtsgericht Braunschweig

Die Vier Strafverteidiger hatten beim Amtsgericht Braunschweig zu tun. Die Wanne war dabei, damit – insbesondere dem Herrn Staatsanwalt – schon vor Prozeßbeginn klar war, woher der Wind weht – aus Kreuzberg eben. ;-)

[mygal=vier-strafverteidiger-in-braunschweig]

Danke an Gisbert Stückgen, der die Strapaze übernommen hat, mit der Wanne von Kreuzberg bis nach Braunschweig zu fahren. Das hält man nur als echter[tm] Mann aus.

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Zurück in Kreuzberg

Nach der Bastelei kommt die erste Ausfahrt – nach Kreuzberg:

Mit diesen Bildern erregte die Wanne bei einigen (zivilrechtlich tätigen und Schlips tragenden) Kollegen Anstoß: Das Auto steht im Parkverbot! Du meine Güte, wie das dem Fotografen bloß passieren konnte … 8-)

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Die Realisierung der Idee

Vor dem Versteigerungstermin hatte man bei dem Auktionshaus die Gelegenheit, sich die Schlachtrösser anzusehen. 10 oder 20 standen auf dem Hof. Eine Probefahrt war nicht möglich, wenigstens aber ein Motorstart. Ich habe mir so Stücker vier oder fünf näher angeschaut, ein paar „seriöse“ Gebrauchtwagenhändler nach ihren Tests gefragt.

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Die Knüppelgarde war an ihren Wagen sofort erkennbar

Die taz gibt im April 2005 zum Hintergrund der Wanne ihren Senf:

Wenn es ein Symbol für die Zeiten gibt, in denen in Berlin der Straßenkampf tobte, dann ist es die Wanne, im Behördenslang GruKaWe (Gruppenkraftwagen) oder Gru. Was hat sie im Laufe der Jahre nicht alles abbekommen: Farbbeutel, Steine, Flaschen, Zwillengeschosse, Molotowcocktails. Selbst die eine oder andere Gehwegplatte kam in den rauen 80ern von Dächern geflogen. Ungezählte Beulen zeugen davon. Sie rausmachen wäre viel zu teuer gewesen, sie wurden nur überlackiert. 250 Fahrzeuge der Baureihen D 408, 508, 609 und 611 – eine Spezialanfertigung von Mercedes für den Berliner Markt – nannte der Fuhrpark der Polizei einst sein Eigen. Inzwischen gibt es nur noch 164 und es werden immer weniger.

Interessantes weiß der Autor des Berichts auch über prominente Fahrgäste zu berichten:

Sie setzen die Person in einen vergitterten grün-weißen Mannschaftswagen […] und lassen auf dem Gelände der Polizeischule einen Steinhagel auf das Fahrzeug niedergehen. So geschehen mit Eberhard Diepgen (CDU), als der noch Regierender Bürgermeister war, auf dem Gelände der Polizeischule. „Diepgen war kreidebleich, als er rauskam. In seinem Gesicht stand die nackte Angst“, erinnert sich ein pensionierter Beamter schmunzelnd.

Bei Georg Schertz, der von 1987 bis 1992 Polizeipräsident war, war die Show nicht mal fingiert: „Wollen Sie mal mitfahren?“, luden Untergebene Schertz ein, mal eine Runde durch Kreuzberg zu drehen, als es dort mal wieder richtig heftig zuging. „Wir haben uns Klamotten ohne Ende eingefangen und sind auf der Felge wieder zurückgekommen“, erzählen sich die, die damals dabei waren. „Schertz redet darüber heute noch.“

Auch die taz packt die Wehmut:

Die Wanne wird ausgemustert. In zehn Jahren, so die Schätzung von Experten, wird die Seyfried-Comic-Vorlage ganz aus dem Berliner Straßenbild verschwunden sein.

Ganz? Nein, mindestens eine wird es überleben. :-)

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Herr Dr. Jocko

Der Fahrer

Herr Dr. Jocko

grüßt die anderen Affen.

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Bedenken?

§ 43 Bundesrechtsanwaltsordnung:

Der Rechtsanwalt hat […] sich innerhalb und außerhalb des Berufes der Achtung und des Vertrauens, welche die Stellung des Rechtsanwalts erfordert, würdig zu erweisen.

Oder § 43 b Bundesrechtsanwaltsordnung:

Werbung ist dem Rechtsanwalt nur erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet.

Kritisch war das schon: Ein kultiges Polizeiauto zum Kanzleifahrzeug umzuwidmen. Verboten wurde einem Kollegen zuvor noch, gemeinsam mit Autowerkstätten auf Werbetafeln vor einer Tankstelle für sich zu werden.

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Die Idee …

… entstand beim Abendbrot.

Die Polizisten taten mir immer leid

wurde Gerhard Seyfried vom Tagesspiegel am 11. März 2005 zitiert.

Er hat die grünen Transporter in seinen Berlin-Comics verewigt. Jetzt werden die „Wannen“ ausgemustert.

hieß es in dem Beitrag. Seyfried stellt fest, daß die Wanne nun den Weg allen alten Eisens geht, wie auch die Dampflokomotiven ihn gegangen sind.

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Eine Ikone der bundesdeutschen Demonstrationskultur

Der Spiegel schreibt am 04. März 2005 über die Geschichte der Wanne:

Im Steinhagel in Kreuzberg, zwischen brennenden Barrikaden in Friedrichshain – die Wanne, der vergitterte Mannschaftswagen der Berliner Polizei, hat sich in zahllosen Straßenschlachten bewährt. Jetzt wird sie ausgemustert. Eine Ikone der bundesdeutschen Demonstrationskultur verschwindet von den Straßen der Hauptstadt.

Die Fotos geben teilweise allerdings nicht „die“ Wanne wieder, sondern das Nachfolgemodell im Einsatz:

Nachfolger

Nur das hier unten ist das Orignal, das gerade ein neues Outfit erhält:

Neues Outfit

Angst hätten die Besatzungen der Wanne bekommen, wenn es los geht, wenn er durch die Gitter in die aggressiven Gesichter blickt, wenn die Leute draußen schreien: „Scheiß‘ Bullen!“ Wenn es so unglaublich laut wird im Wagen, weil die Pflastersteine nur so auf das Blech hageln

Nun ja, wenn die Demonstraten hätten Rücksicht nehmen wollen, hätten sie bestimmt mit Wattebällchen geworfen. Aber die Freunde und Helfer – wenn sie denn mal ausgestiegen waren – waren auch keine kleine Mädchen mit höflichen Umgangsformen.

Man kann es nachvollziehen, wenn man drin sitzt, in der legendären Wanne, dem in zahllosen Straßenkämpfen erprobten Mannschaftswagen der Berliner Polizei. Zwei Bänke an jeder Seite, mit grauem, abgewetztem Kunststoff überzogen, darüber ein Gepäcknetz, wie man es aus Bus und Bahn kennt, für Helm und Knüppel, die großen Schutzschilder klemmen unter Gummiseilen unter dem Dach. Das wird eng für zehn bis zwölf Männer und Frauen in 15 Kilo schwerer Schutzmontur.

Nachfolger von innen

Die Wanne, das Symbol der Hausbesetzerschlachten und der Maikrawalle, hat ausgedient.

Jetzt ist es nur noch das Werbe-Vehikel eines kleinen Strafverteidgers aus Kreuzberg.

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