Ärgerlich

In letzter Zeit wiederholte es sich überdurchschnittlich oft. Ich erhalte Auftrag zur Verteidigung und unterhalte mich freundlich mit dem Auftraggeber, über das Vorgehen (erst die Akteneinsicht, dann die Stellungnahme) und auch über die Kosten. Alle haben gute Laune und sind optimistisch.

Dann kommt wie beantragt die Akte der Staatsanwaltschaft, die wir kopieren und zurücksenden.

Den Mandanten informieren wir über den Eingang der Akte und bitten um Zahlung des vereinbarten Honorars für die Akteneinsicht und die nachfolgende Beratung über die Sach- und Rechtslage. Und dann passiert nichts, auch nicht nach einer höflichen Erinnerung.

Irgendwann wird die Staatsanwaltschaft ungeduldig und setzt uns eine Frist zur Stellungnahme. Auch darüber informieren wir den Mandanten. Und es passiert wieder nichts.

Das Spielchen wiederholt sich mit einer Nachfristsetzung durch die Staatsanwaltschaft.

Nun rief mich ein Staatsanwalt an, der sich über meine Unzuverlässigkeit beschweren wollte. Ich hätte doch nun Akteneinsicht bekommen, warum ich denn jetzt keine Stellungnahme abgeben wolle.

Tja, was sage ich nun dem Ermittler, ohne meinen Auftraggeber zu verraten? Ich habe nun folgende indifferente Formulierung gefunden:

… teile ich auf die Anfrage der Staatsanwaltschaft mit, daß ich aus nicht in der Sache selbst begründeten Umständen zur Zeit keine Stellungnahme abgeben werde.

Ein gutes Gefühl habe ich aber auch dabei nicht. Mich ärgert es, wenn die gute Ausgangsposition einer Verteidigung durch Nichtstun sinnlos verbaselt wird.

Dieser Beitrag wurde unter Mandanten, Verteidigung veröffentlicht.

8 Antworten auf Ärgerlich

  1. 1
    RA JM says:

    Immerhin – unsere StA erinnert regelmäßig nicht, sondern wird gleich tätig.

  2. 2
    A.N. says:

    Schöner Textbaustein!

  3. 3
    Joerg says:

    Das ist ärgerlich, aber das muss sich der Mandant selbst zurechnen, Sie haben ihn ja ausreichend informiert. Was ich zu Beginn meiner Anwaltskarriere ganz schnell gelernt habe: Immer erst Vorschuss anfordern, sonst rennt man später dem Honorar meist hinterher. Die Zahlungsmoral bzw.-willigkeit nimmt im Laufe des Mandats nicht zu. Hat man gewonnen, ist beim Mandanten ja keine „Not“ mehr, hat man verloren, dann war der Anwalt Schuld. Das ist alles leidig und da hilft eben nur konsequent Vorschuss fordern, wenn es das Gesetz für Anwälte schon erlaubt, dann sollte man es auch nutzen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Kollegen das nicht konsequent machen und ihren Honoraren nachrennen. Herr Hoenig macht das schon richtig, auch wenn das im konkreten Fall keinen Spass macht.

  4. 4
    Gerd says:

    Ich schreiben der StA mit Aktenrückgabe immer, es dürfe davon ausgegangen werden, daß von einer Stellungnahme zu den Tatvorwürfen abgesehen wird, falls bis zum soundsovielten keine Stellungnahme vorliegt. Das teile ich dem Mandanten mit. In geeigneten Fällen verbunden mit dem Hinweis, daß eine Stellungnahme zu den Vorwürfen geboten erscheint. Wenn der Mandant sich dann nicht meldet und nicht zahlt, ist das nicht mein Problem. Im übrigen ist Schweigen auch eine Art der Verteidigung.

    Vielleicht renne ich dem Mandanten hinterher… Der will doch was: nämlich die Dienstleistung einer Verteidigung.

  5. 5
    anonym says:

    Mir ist es genau anders herum passiert. RA wird beauftragt, Vorschuss gezahlt, aber RA wird nicht tätig.
    Was mache ich jetzt? Sitze wohl am kürzeren Hebel….

  6. 6
    Nadelöhr says:

    Wenn nach dem Niederlegen des Mandats die bis dahin entstandenen Gebühren nicht bezahlt werden, wird dann zivilrechtlich vorgegangen? Ich stelle mir vor, dass dann das Gemecker bei diesen Kandidaten groß ist.

  7. 7

    Konsequent ist: Akteneinsicht erst beantragen, wenn der Vorschuss eingegangen ist.

  8. 8

    Ähnliches musste ich vor kurzem leider auch erleben. Der Auftraggeber hat einen Vollstreckungsbescheid der jedoch noch auf die Firma seines Vaters lautet. Da der Sohn nun das Geschäft führt müssen wir nun den Titel umschreiben lassen, was auch kein Problem sein sollte. Zumindest nicht, wenn der Auftraggeber mir endlich die notwendigen Unterlagen besorgt mit denen ich die Umschreibung veranlassen kann.
    Mittlerweile habe ich sogar die Arbeitsstelle herausfinden können, allerdings scheint da die Stelle nicht so sicher zu sein, dass hier eigentlich schnell ein PfüB beantragt werden sollte um wenigstens noch etwas realisieren zu können. Leider reagiert der Auftraggeber allerdings nicht und vertröstet mich Woche für Woche.
    Schade eigentlich den mittlerweile könnte die Forderung bereits getilgt sein…