Schnell weg damit

Der Mandantin wird ein Diebstahl vorgeworfen.

500 Euro sollte sie aus der Kasse nehmen und in den Tresor werfen. Sie hat sich ablenken und das Paket mit dem Geld auf dem Tisch im Hinterzimmer des Ladens liegen lassen. Eine halbe Stunde später fiel ihr die Nachlässigkeit ein. Da war das Geld schon weg.

Der Geschäftsführer erstattet Strafanzeige und behauptet, daß die Mandantin das Geld gestohlen habe. Auf die Nachfrage der Polizei teilt er mit, daß außer der Mandantin noch drei weitere Mitarbeiterinnen zu jener Zeit anwesend waren. Und er war auch nicht weit weg. Die Mandantin schreibt an die Polizei, sie habe das Geld nicht gestohlen. Weitere Ermittlungen wurden nicht durchgeführt.

Die Staatsanwaltschaft erhebt trotzdem Anklage. Als Beweismittel werden neben dem Geschäftsführer auch die drei anderen Mitarbeiterinnen benannt. Obwohl sie nicht gehört wurden. Obwohl außer der Mandantin auch die anderen Mitarbeiterinnen Zugriff auf das Geld hatten. Obwohl zahlreiche Tatalternativen denkbar sind und nicht ausgeschlossen wurden.

Ich weiß nicht, was sich ein Staatsanwalt dabei denkt, wenn er so seine Arbeit macht. Abwegig wäre es nicht, ihm zu unterstellen, daß er keine Lust auf Arbeit hat und die Akten irgendwie, nur möglichst schnell vom Tisch haben will. Nach dem Motto: Das wird die Hauptverhandlung schon zeigen.

Es bleibt abzuwarten, ob das Gericht diesen Müll diese Anklage zuläßt und die Hauptsache eröffnet.

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Eine Antwort auf Schnell weg damit

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    RA Kuemmerle says:

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ja die Anklage wird auch ohne Vernehmung der Zeugen im Ermittlungsverfahren zugelassen und es führt sogar zu einer Verurteilung. AG Tiergarten rules…