Drei Affen in Berlin

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Dafür stehen die drei Affen, die die taz am Dienstag auf Seite 1 abbildet. Oder für die Berliner (Ex-)Bundesregierung.

Berlin schweigt, hört kein Radio, liest keine Zeitung. Nein, es lägen keine Informationen daüber vor, daß Ex-Innenminister Schily frühzeitig über eine CIA-Entführung informiert war. Nein, Schily sei noch nicht erreicht worden. Nein, die Regierung wisse nicht, ob sich die Kanzlerin über die Kenntnisse der alten Regierung informiert habe. Und demzufolge: Nein, über eine mögliche Mitwisserschaft von Ex-Kanzler Schröder und Ex-Kanzleramtschef Steinmeier an Freiheitsberaubung und Folter gibt es nichts zu berichten.

Sind sie nicht süß, die Äffchen?

Kommentare deaktiviert für Drei Affen in Berlin

Opodo nur per Internet Explorer und Netscape

Ich versuche seit heute Mittag einen Flug über Opodo zu buchen. Nachdem ich die Buchung abgeschickt habe (bereits viermal!), erhalte ich zu unterschiedlichen Zeiten folgende Rückmeldung:

Aufgrund technischer Probleme können wir Ihre Anfrage derzeit nicht bearbeiten. Bitte versuchen Sie es noch einmal, indem Sie auf das Feld unten klicken. Wir entschuldigen uns für eventuell entstehende Unannehmlichkeiten.

Erst ein Anruf bei der Hotline (01805) brachte Erhellung: Ich brause mit Firefox, der mit der Opodo-Soft nicht zusammen arbeitet. Nur mit Netscape und Internet Explorer soll es funktionieren.

Ich frage mich, warum der Laden das nicht dick vorn auf die erste Seite schreibt, statt mir die Zeit zu stehlen, mich erst mühsam alle Daten eingeben läßt, um mir dann diese sinnbefreite Fehlermeldung zu liefern.

Billiganbieter. Pah!

2 Kommentare

Fahrverbot nur für Motorräder

Das Amtsgericht Tiergarten kam in einer Bußgeldsache zu folgendem ansprechenden Ergebnis. Dem Motorradfahrer wurde vorgeworfen, innerorts 32 km/h zu schnell gefahren zu sein. Dafür sieht der Bußgeldkatalog eine Geldbuße in Höhe von 100,00 EUR und ein Fahrverbot für einen Monat vor.

Das Gericht hatte aber ein Einsehen mit dem Kradler. Es erhöhte die Geldbuße auf 150,00 EUR und verbat ihm für die Dauer eines Monats, Krafträder jeder Art zu führen. Das Fahrverbot müsse der Betroffene innerhalb von vier Monaten antreten.

Das Urteil wurde am 16. August 2005 verkündet. Spätestens im Dezember hätte er dann das Kradfahren einstellen müssen. Also in einer Zeit, in der einseits die Reifen des Supersportlers ohnehin nicht mehr auf Temperatur gebracht werden können und andererseits wegen der ständigen Weihnachts- und Sylvesterfeiern in der Regel ein Fahren bei Strafe verboten ist.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Aber das muß man ja nicht weitersagen, wenn man es in anderen Fällen mal zitiert. ;-)

2 Kommentare

Schluss mit diesen Schweinephantasien!

fordert Michael Naumann in der Zeit.

In einer

Extra-Ausgabe der Morallosigkeit dieses Zentralorgans des moralischen Analphabetismus heißt es: „Deutsche Geisel. Wird sie geköpft?“

fragt das Schweineblatt mit den vier Buchstaben

einen Tag, nachdem die Geiselnahme der Archäologin Susanne Osthoff im Irak bekannt wurde. Wird sie geköpft? Und wann? Hoffentlich noch vor Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe, mag sich der Chefredakteur gedacht haben.

Es sei, so heißt es in Berliner politischen Kreisen, BILD das neue Leitmedium der Republik. Das wollen wir gerne glauben. Das traf einst auch auf das Schafott am Place de la Concorde zu, im revolutionären Paris: Die häkelnden Demoiselles am Fuß des Blutgerüsts sind nicht ausgestorben, sie sitzen jetzt in der Redaktion von BILD und können es nicht abwarten, bis die nächsten Köpfe rollen.

Was sind das für Menschen, die mit solchen Überschriften und Artikeln ihren Lebensunterhalt verdienen müssen? Naumann geht noch viel zu zartfühlend mit ihnen um.

Link gefunden im BILDblog

3 Kommentare

Gefährlich: Weihnachtsfeier

Selbst, wenn man privat jeden Matrosen unter den Tisch trinken könnte – hier sollte man sittsam bleiben.

liest man im FAZ.NET

Ich weiß schon genau, warum ich mich seit Jahren erfolgreich von dieserlei Veranstaltungen fern halte: Sittsam? Ich? Niemals!

Link gefunden bei …jurabilis.

Kommentare deaktiviert für Gefährlich: Weihnachtsfeier

Westberlin – das war gestern

Der Tagesspiegel beschreibt den Wandel der Zeit in der Stadt.

Die Flughäfen Tegel und Tempelhof werden in absehbarer Zeit geschlossen, das Ende des Fernbahnhofs Zoo ist besiegelt. Die Deutschlandhalle und das ICC stehen auf der Abschussliste. Nun müssen Theaterfreunde auch um die Boulevard-Bühnen am Kurfürstendamm fürchten, weil das Ku’damm-Karree umgebaut werden soll. Die „Paris Bar“, Wohnzimmer der Stars und Starletts, gilt als gefährdet, weil sie in Finanznöten ist. Und die weithin sichtbare Kugel der einstigen alliierten Radarstation auf dem Teufelsberg wird vermutlich bald demontiert.

Vor knapp 20 Jahren habe habe ich am Bahnhof Zoo den Nachtzug zurück in die Heimat nach Westdeutschland verpaßt. Das war der Beginn einer neuen, wundervollen Ära in meinem Leben. Der Artikel im Tagesspiegel weckt (nostalgische?) Sentimentalitäten.

Ich bin älter geworden. Aber das Leben in Berlin ist immer noch spannend. Und in Kreuzberg erst Recht.

1 Kommentar

Schokolade pur, aber eben richtig gute

600 Schokoladenprodukte im Angebot. Zu bekommen im Café Kakao in Prenzlauer Berg und am Winterfeldplatz in Schöneberg. Berichtet der Tagesspiegel.

Das hat schon wieder fast ‚was Erotisches …

Kommentare deaktiviert für Schokolade pur, aber eben richtig gute

St. Nimmerleinstag aus dienstlichen Gründen

Post vom Amtsgericht Mitte in einer Verkehrsunfallsache. Mein Mandant, Motorradfahrer, klagt gegen den Autofahrer und dessen Versicherer auf Schadensersatz.

Die Abteilung 108 des Gerichts teilt mit:

In der Sache X ./. Y u.a. wird der Verhandlungstermin am 15.12.2005 aus dienstlichen Gründen aufgehoben und auf den 8.5.2006 verlegt.

Der Unfall ereignete sich am 11.5.2003.
Das wirkliche Manko dieser Abteilung 108 sind aber nicht die langen Terminstände …

3 Kommentare

Lieber eBay als Kiffen?

Per Computerkriminalität sollen 2004 weltweit mehr als 105 Milliarden Dollar umgesetzt worden sein. „Cybercrime“ boome so sehr, dass die Strafverfolgung nicht mehr mitkäme.

berichtet Spiegel Online unter dem Titel US-Expertin: Cybercrime macht mehr Geld als Drogenhandel

Vielleicht überlege ich es mir dann noch einmal, in die aktuelle Ausgabe des Kommentars zum Betäubungsmittelgesetz zu investieren. Andererseits: Wenn die Staatsanwaltschaft es nicht schafft, wegen spektakulärer Hacks, Virenattacken und Phishing-Wellen zu ermitteln, wird es noch ein wenig dauern. Aber der Spiegelartikel läßt hoffen:

Die Risiken durch Computerkriminalität, meint McNiven, würden in den nächsten Jahren noch steigen. Gerade durch die zunehmende Vernetzung auch von Entwicklungs- und Schwellenländern mit ihren sehr unsicheren Struturen sei ein Anstieg vor allem im Bereich des Finanzbetruges zu befürchten.

Richter, Staatsanwälte, Polizeibeamte, Verteidiger – sie alle verdienen ihren Lebensunterhalt mit Verbrechen.

Danke an Rechtsanwalt Max Rossa für den Link

Kommentare deaktiviert für Lieber eBay als Kiffen?

FOCUS: Werbung mit Kindersex?

Daß die Boulevard-Presse bekannt ist für seriöse Berichterstattung, behaupten selbst die dort tätigen Schmierfinken nicht.

Beispiel BILD: Auf der oberen Häfte einer Seite finde ich einen reißerischen Artikel über einen Mann, der mehrere Kinder sexuell belästigt und vergewaltigt haben soll. Darunter, auf der selben Seite, findet man die bekannten Kleinanzeigen, in denen für „Bizarre Erotik“ geworben wird und Natascha (18) ihre Dienste anbietet.

Auch der Focus ist da nicht viel anders: In einem Artikel über „Kindersex“ wird über einen Vater berichtet, dessen Tochter angeblich von einem (ehemaligen) Popstar mißbraucht wurde. Der Vater kündigt genau das an, was BILD, Focus und Konsorten immer wieder zwischen den Zeilen als wünschenswert herausschauen lassen: Lynchjustiz.

Der Beschuldigte wird von Focus als „Monster“ betitelt. OK, sowas ist man ja gewohnt dieser (untersten) Sorte Berichterstatter. Allerdings wird in dem redaktionellen Beitrag das Word „Monster“ doppelt unterstrichen mit einem Link auf eine Seite unterlegt, auf der man sich DVDs ausleihen kann. Oben die Übeschrift „Kindersex“, weiter unten dann die entsprechenden Filme dazu.

Klasse. Moral ist was Wichtiges. Das muß man doppelt haben.

Vielleicht bin ich auch nur zu sensibel oder mittlerweile zu konservativ: Aber diese Art von „Pressefreiheit“ empfinde ich einfach als widerlich.

1 Kommentar