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Kanzlei Hoenig Info
Nichts mehr zu machen
Ich hatte mich für den Mandanten eingesetzt und das Äußerste geboten. Ziel war es, trotz Bewährungsbruch den Widerruf einer Strafaussetzung zur Bewährung zu verhindern. Dazu habe ich Himmel und Hölle bewegt; und es sah gar nicht mal soooo schlecht aus. Hätte klappen können …
Dann aber kam der Beschluß des Oberlandesgerichts: Die Beschwerde der Verteidigung gegen den Beschluß der Strafvollstreckungkammer werde verworfen und die Strafaussetzung widerrufen.
Aus den Gründen:
Gegen eine nachhaltige Änderung seiner Lebensführung zugunsten eines Lebens ohne Straftaten spricht insbesondere auch der Inhalt seiner eigenen Beschwerdeschrift vom 18. März 2008. Darin führt der Verurteilte neben unsachlichen Anwürfen gegen die erkennende Richterin aus, er habe die der Verurteilung durch das Amtsgericht vom 6. Dezember 2007 zugrunde liegenden Taten begangen, um seine Ehefrau zu schützen und werde jederzeit wieder so handeln. […] Es ist daher eher davon auszugehen, dass der Verurteilte die Absicht, ein straffreies Leben zu führen, eben nicht verinnerlicht hat.
Es ist ja schon der Hammer, daß der Kerl an mir vorbei an das Gericht schreibt. Und dann greift er die Richterin auch noch persönlich an. Sorry, aber so funktioniert das nicht …
Sinnlose Reaktionen
Der Einsatz von Call Centern ist eine „Service“-Einrichtung, die manche Mitmenschen in eine handfeste psychiatrische Erkrankung treiben kann. Nur mal eben eine kleine Frage, nichts Umfangreiches, aber doch notwendig. Der Anruf beim Vertragspartner (das ist der, an den der Mitmensch Geld bezahlt hat, damit er eine Leistung erhält) beginnt bei einem Automaten („… dann drücken Sie bitte die fünf!“) und endet im Zweifel bei einem unterbezahlten, unmotivierten und inkompetenten Call-Center-Agent.
Dann gibt es noch die eMail-Korrespondenz mit diesen Service-Wüsten-Betreibern. Mit einem solchen hatte ich mal wieder zu tun. Nichts Wildes, es ging um den lapidaren Umzug einer .de-Domain. Sowas klappt natürlich nie auf Anhieb, jedenfalls nicht in diesem Fall. In der mir eigenen Art habe ich dem Provider mitgeteilt, was ich von seinem Service halte. Ich denke nicht, daß da noch irgendein kleiner Raum für Auslegungen war; das war eindeutig, was ich den Herrschaften mitgeteilt habe.
Es hat dann nicht lange gedauert bis mich eine Reaktion erreicht hat. Nicht die, die ich brauche und für die ich bezahlt habe. Nein. Sondern dieser Müll hier:
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Produkten und Dienstleistungen. Auf diese Absenderadresse kann nicht direkt geantwortet werden.
Sie haben die Möglichkeit, die STRATO Experten schnell und bequem zu kontaktieren.
Sie sind noch kein STRATO Kunde?
Für Info – Anfragen nutzen Sie gerne das STRATO MAILCenter unter http://www.strato.de/kontakt Sie haben dort die Möglichkeit gezielt Anfragen an unseren Service per E-Mail zu senden.Sie sind bereits STRATO Kunde?
Wenn Sie bereits Kunde bei der STRATO sind, können Sie die STRATO Experten unter dem Menüpunkt Hilfe in Ihrem Kundenservicebereich auf http://www.strato.de/login/ erreichen. Vertragsänderungen können Sie bequem online unter dem Menupunkt Vertragsbetreuung vornehmen.Recht herzlichen Dank für Ihre freundliche Kooperation. Viel Spaß und Erfolg mit den Produkten der STRATO AG.
STRATO AG
Customer Care
10587 Berlin, Germany
—————————————————-
Dear Sir or Madam,Thank you for your interest in STRATO products and services. Please note that no answers are possible with this no-reply address.
STRATO will be happy to answer any questions you may have. Please feel free to contact our experienced team of competent and friendly experts at the STRATO Customer Care Center – available seven days a week. For written enquiries please take advantage of our MAILCenter. As a STRATO customer please use your Customer Login. After authentification you are able to email and have your enquiry dealt with promptly and unbureaucratically.
Reach our experts at:
UK: http://www.strato-hosting.co.uk/contact.html
ES: http://www.strato-alojamiento.es/contact.html
FR: http://www.strato-hebergement.fr/contact.html
IT: http://www.strato.it/contact.html
NL: http://www.strato.nl/contact.html—————————————————-
STRATO AG
Customer Care
10587 Berlin, Germany—————————————————-
Chairman of the Supervisory Board: Eckhard Spoerr Managing Board: Damian Schmidt (Chairman) Silvia Beßlich, Andrea von Kiedrowski, Stefan Legner, Andreas Mitscherling, Markus Schrodt, Christoph Steffens, Dr. Gerwin Zeibig
Register: Berlin Charlottenburg HRB 79450—————————————————-
Ist in diesen Läden eigentlich niemand dafür verantwortlich (und wird dafür angemessen bezahlt) zu kontrollieren, was irgendwelche Automaten ihren Kunden zumuten? Die armen Menschen, die dort arbeiten und sowas tagtäglich ertragen müssen.
Mutterliebe
Gestern Abend gegen 22 Uhr erreichte mich der Notruf einer Mutter. Die Polizei haben ihren 21-jährigen Sohn mitgenommen. Den Jungen „betreue“ ich, seitdem er 17 ist.
Es war nicht ganz einfach, die weiteren Umstände der Verhaftung zu erfahren. Die Mutter machte am Telefon nicht den Eindruck, daß Sie imstande war, die ihr grundsätzlich zur Verfügung stehenden Fähigkeiten einzusetzen. Ich habe dann mühsam herausgefunden, daß mehrere Beamte in Uniform die Wohnung durchsucht haben. Ob etwas (Betäubungsmittel?) gefunden wurde, wußte die Mutter nicht. Irgendwas habe sie aber dann unterschrieben.
Eine Kopie des Durchsuchungsprotokolls? „Hmmm. Weeß ick doch nich! Ick will meinen Jungen wiedahamm!“
Es hat noch ein paar Minuten gedauert, bis ich dann entnervt aufgeben mußte. Es war nicht in Erfahrung zu bringen, welche Polizei den Sohn auf welche Dienststelle mitgenommen hat. Wir haben uns dann auf heute morgen „vertagt“ – in der Hoffnung, das Problem löst sich bis dahin von selbst.
10:00 Uhr. Der dritte Versuch, die Mutter zu erreichen, scheitert. Am Festnetz hebt niemand ab, am Funktelefon nimmt die O2-Mailbox meine Frage nach dem Sohn entgegen. Zwei SMS bleiben auch unbeantwortet. Dabei wollte ich einfach nur wissen, ob der Junge wieder zuhause ist. Aber diese Frage scheint die Mutter noch nicht beantworten zu können.
In der Gefangenensammelstelle und auf der Geschäftsstelle des Haftrichters war der Name des Sohnes (noch) nicht bekannt. Die Mitarbeiter dort werden mich anrufen, wenn der Bengel dort auftaucht. Und auf die kann ich mich verlassen.
Unsere Mitarbeiterin meinte, ich solle doch froh sein, daß die Mutter überhaupt angerufen hat. Wenn auch zu spät und ohne weitere hilfreiche Informationen. Aber immerhin.
Der Junge tut mir echt Leid; er hatte kaum eine Chance …
Gerichtspost
Wir haben Post bekommen.
Es handelt sich dabei nicht um Werbung oder einen Versandhauskatalog. Sondern um zwei Anklageschriften, die uns ein Strafgericht aus den alten Bundesländern übermittelt („mitgeteilt“) hat.
Wenn die freundlichen Mitarbeiter der guten alten Post da nicht aufgepaßt hätten, gäbe es nun ein ernsthaftes Problem.
Warum haben wir eigentlich stabile Umschläge, die beim Versand nicht aufreißen? Weil wir eine zuverlässig arbeitende Rechtsanwaltskanzlei sind.
Verzicht gegen Rabatt
Das Gericht übermittelte uns meine Ladung zum Hauptverhandlungstermin, der gut zwei Wochen später stattfinden sollte. Die Ladung enthält einen
Zusatz :
Nach Mitteilung des EMA Hamburg, soll der Angeklagte nicht mehr unter der Anschrift: H****str. 157 in 22*** Hamburg wohnhaft sein. Um Mitteilung der dort bekannten ggf. neuen Anschrift wird höflichst gebeten.
Ich glaube nicht, daß ein ernsthafter Verteidiger dieser höflichsten Bitte, einen Parteiverrat zu begehen, entsprechen wird und dem Gericht einfach so mal eben die neue Anschrift mitteilt. Zumal sich in diesem Fall der Mandant, ordentlich wie er ist, nach seinem Umzug umgemeldet hat. Ich frage mich, was in den Köpfen mancher Richter abgeht.
Mal sehen, ob ich den Mandanten zum Termin mitbringe und dort dann die nicht erfolgte ordnungsgemäße Ladung irgendwie verwursten kann: Beispielsweise einen Verzicht auf die Einhaltung der Ladungsfrist gegen einen Rabatt beim Strafmaß anbieten.
Rattenfänger
Henner Schmidt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus, fordert, arme Berliner sollten sich ein Zubrot durch Rattenjagd verdienen. Die seien ja sowieso unterwegs, um Pfandflaschen aus Mülleimern zu sammeln.
Quelle: Berliner Kurier
Ein Richter, dem Respekt gebührt
Es ging um den Vorwurf einer unterlassenen Hilfeleistung, einer versuchten räuberischen Erpressung und einer gefährlichen Körperverletzung. Ein Mann lag stundenlang im Koma und wurde nur knapp vor seinem endgültigen Ableben gerettet. Was war geschehen?
Man traf sich auf dem großen Platz einer brandenburgischen Kleinstadt. Wie jeden Tag. Vormittags schon. Und begann damit, sich warm zu trinken.
Gegen frühen Nachmittag gingen die zwei Frauen (Mitte 30, die aussahen wir Mitte 50) zu Heinz. Dort waren auch Paul und Alexander. Letzerer war allerdings schon völlig hinüber. Heinz war nach einer Flasche Klarem und sechs Flaschen Bier noch gut drauf.
Die beiden Mädels wollten tanzen, machten laute Musik. Dem Paul war das zu laut, außerdem kann er nicht tanzen. Er ist gegangen. Alexander war nicht mehr imstande, irgendwas zu machen und wollte in seine Wohnung, eine Etage tiefer. Eine Stunde später, nachdem die Musik, die Zigaretten und der Alk aufgebraucht waren, wollten Heinz und die Mädels Nachschub einkaufen. Sie fanden Alexander mit den Füßen nach oben liegend auf halber Treppe.
Heinz packt den Alexander hinten am Hosenbund, trägt ihn so in seine Wohnung und legt ihn dort ab auf eine Couch. Den Hintern blank, die Hose in die Kniekehlen runtergerutscht blieb er dort liegen.
Bruno, sein Mitbewohner, lag derweil schon schlafend auf einer anderen Couch. Ebenfalls völlig breit.
Die beiden Mädels und Heinz gingen einkaufen. Es war noch hell draußen …
Etwa gegen Mitternacht kamen die drei Männer, Bernie, Sigi und Mike, auf ihrem Weg zum Drogenhändler an Alexanders Hintern vorbei, den man durch das Parterrefenster hell leuchten sah. Man kannte sich und wollte mal schauen, was denn da los war.
Die Tür war unverschlossen, besser gesagt: War nicht mehr verschließbar, weil mehrere Versuche in der Vergangenheit, die verschlossene Tür ohne Schlüssel zu öffnen, eben so ihre Spuren hinterlassen hatten.
Sigi („Ja, ich hatte auch schon ein bisschen was getrunken …“ / 6 Stunden später wurden 2,8 Promille bei ihm gemessen) erinnerte sich, daß Bruno seinem Bruder Steff noch 40 Euro schuldete. Darauf wollte er den Bruno ansprechen. Er hat ihn geweckt, nicht gerade zärtlich, sondern wohl mit der flachen Hand. Bruno meinte später, er sei auch ins Gesicht getreten worden. Aber so genau … und wer … wann, nee, daran könne er sich nicht mehr erinnern. Die drei sind nach 2 oder 20 Minuten unverrichteter Dinge wieder gegangen. Den nackten Hintern hat kein Mensch interessiert.
Später kam Heinz vorbei. Bruno war wieder so etwas ähnliches wie „wach“. Heinz und Bruno haben sich dann noch bei ein paar netten Getränken „unterhalten“.
Bis der nackte Hintern am frühen Morgen von der Couch fiel. Und aus dem (linken? rechten?) Ohr blutete. Alexander hatte einen Schädelbruch erlitten und hat reichlich Stunden komatös und unbeachtet auf der Couch gelegen.
Angeklagt waren die drei Besucher, mein Mandant war Sigi. Allen drei wurde vorgeworfen, notwendige Hilfe unterlassen zu haben. Sigi war laut Anklage der räuberische Erpresser und der gefährliche Körperverletzer.
Die Beweisaufnahme vor dem Schöffengericht dauerte knapp sieben Stunden. Es waren 15 Zeugen geladen; darunter zwei Polizeibeamte, die anderen stammen aus der Szene. Für alle Beteiligten – Richter, Schöffen, Staatsanwältin und Verteidiger – eine echt harte Nummer.
Der Richter allerdings, ein kleiner, älterer und unscheinbarer Mann, hat es geschafft, bei keinem der Zeugen auch nur den geringsten Eindruck zu wecken, sie seien Menschen dritter Klasse. Er ist allen mit Respekt begegnet, hat sich Mühe gegeben, einfache Fragen zu stellen und die Antworten richtig zu verstehen. Gewiß keine einfache Aufgabe. Er hat sie hervorragend gelöst. Chapeau!
Im Urteil waren Freisprüche zu hören und eine Geldstrafe für Sigi, wegen der zwei Ohrfeigen.
HUK bespitzelt Unfallopfer
Die Schuldfrage ist klar, der Sachverhalt unstrittig. Dennoch bekam eine 35-jährige Bremerin nach einem Unfall Besuch von einer Detektivin. Auftraggeberin war die HUK-Coburg Haftpflichtversicherung. Die war nach dem Bericht der Detektivin überzeugt, dass die medizinisch nachgewiesenen Unfallfolgen der Bremerin so arg nicht sein können …
Quelle: Weser-Kurier
Ob dahinter ein neues Service-Angebot des Versicherers steht oder ob „nur“ ein Sachbearbeiter daneben gegriffen hat, wird die Zukunft zeigen.
Porsche – Back To The Future
Nachdem die SUV vom Trend- zum Spottobjekt geworden sind, sollte sich Porsche vielleicht doch wieder auf seine Wurzeln besinnen.
Ok, ich gebe zu, das Fahrzeug müßte mal gewaschen werden. Aber sonst … ein echter Porsche.
Kurz und knackig
Aus dem Protokoll eines Termins vor dem Haftrichter:
StA beantragt den Erlass eines Haftbefehls nach schriftlichem Entwurf.
Beschuldigter erklärt: Ich möchte nicht in Haft.
B. u. v.
Es ergeht der anliegende Haftbefehl
Und dann ab nach Moabit …
(Übersetzung: B.u.v. heißt „Beschlossen und verkündet“. Der Haftbefehl ergeht per Gerichtsbeschluß.)

