Gefährdeter Richter

Es gab „ein Wörtchen“ zu reden mit dem Richter. So ungefähr wußte ich, wo in den endlosen Fluren des Kriminalgerichts das Zimmer des Richters lag. Also machte ich mich auf den Weg und klapperte die Namensschilder an den Türe in dem Gebäudeteil ab.

Ich fand das Zimmer nicht. Die Geschäftsstelle teilte mir auf meinen Anruf dann die Zimmernummer mit. Der Name des Richters befand sich nicht an der Tür.

Er habe vor ein paar Wochen seinen Namen entfernen lassen, teilte mir der – erfahrene – Richter mit. Weil er eine „Morddrohung“ bekommen habe. Wegen einer Bußgeldsache.

Der Richter hatte einen Betroffenen zu einem Verwarnungsgeld in Höhe von 15 Euro wegen Falschparkens verurteilt. Bereits im Gerichtssaal habe der Verurteilte herumgetobt. Als dann der dritte Brief mit der Androhung empfindlicher Übel kam, wollte der Richter dann doch verbergen, wo ihn der Betroffene besuchen konnte. Die Dicke des Fells eines Strafjuristen ist nicht unendlich.

Nun gibt es zu den 15 Euro noch einen kräftigen Nachschlag.

Und nachdem ich dem Richter meine aufrichtige Solidarität bekundet habe, verlief das Gespräch dann auch in freundlicher Atmosphäre mit einem erfreulichen Ergebnis.

Dieser Beitrag wurde unter Richter veröffentlicht.

12 Antworten auf Gefährdeter Richter

  1. 1
    Pit says:

    Wobei das Entfernen des Namens an der Zimmertür natürlich insoweit sinnbefreit ist, wie die Geschäftsstelle auf Anruf die Zimmernummer mitteilt… ;-)

  2. 2
    PH says:

    Wahrscheinlich wird aber nicht irgendjemanden ohne genannten Grund die Zimmernummer mitgeteilt… Die Geschäftsstellen sind sicherlich geübt darin, Parteien fern zu halten :-)

  3. 3
    RM says:

    Ich hätte dann doch lieber einen Anwalt, der sich mit Richtern und Ermittlern weniger solidarisch fühlt.

  4. 4
    Kai says:

    Etwas Freundlichkeit und Arschkriechen gehört wohl zum Geschäft. Das Leben ist eine Show.

  5. 5
    karl says:

    Komisch, bei uns kommt keiner ins Arbeitsgebäude (also != Verhandlungsräume), ohne vorher den anwesenden Wachtmeistern zu erklären, was er vorhat.

  6. 6
    Franz says:

    RM & Kai: Das hat etwas mit grundlegendem Anstandsgefühl zu tun, aber offensichtlich fehlt Ihnen das.

    • Touchè. crh
  7. 7
    klabauter says:

    @RM: Wenn Sie schon zu Abstand mahnen möchten, wenn es um massive Drohungen geht, weil die Justizbediensteten ja als Systemvertreter selber schuld sind:
    Vielleicht sollten Sie nicht vegessen, dass in Landshut auch ein Anwalt angeschossen wurde und in Euskirchen ein paar Zeugen und Zuschauer getötet wurden.

  8. 8
    el defensor says:

    RM & Kai:
    Die Spezies von Anwälten, die Sie bevorzugen, hat die geringste Erfolgsrate von allen.

    Schauen Sie in Ihre lange Geschichte als Prozesshansel/Querulant und Ihnen wird ein Licht aufgehen.

  9. 9
    Cliff Meißner says:

    @Franz 19:45
    Danke.

    Kurz, knackig und mir Tipparbeit sparend. Na gut, letztes doch nicht, weil es mir doch ein Verlangen war, diese Aussage unterstützend zu tätigen.

  10. 10
  11. 11
    Agiro says:

    Mein Gott, wie kommt der wieder aus seiner Festung raus? Klebt er sich einen Vollbart an?

  12. 12
    michael b. says:

    egal ob als täter oder opfer, und egal ob richter, staatsanwalt oder verteidiger. die justitz ist das letzte bollwerk für ein halbwegs anständiges mitteinander. und drohbriefe gehören nun mal nicht dazu!

    jack mesrine: die meisten täter akzeptieren das system und die straffe!

    meist ist doch einzig über die art und höhe zu diskutieren. und wie sagte mal ein schlauer richter. in meinem gerichtssaal gibt es urteile nach bestem wissen und gewissen. gerechtigkeit gibt es nur im himmel!

    meinung: man muss schon ganz schön krank sein einem richter eine drohung zu schicken! und 15,- € selbst wenn ungerecht (das passiert vermutlich öfter, oder ist zumindest eine sache der perspektive), da gibt es schlimmeres auf dieser welt!