Legalize it!

Die Forderung nach der Entkriminalisierung von Betäubungsmitteln ist so alt wie ihr Verbot. Mal mit guten, mal mit weniger guten Argumenten, oft aber musikalisch gut untermalt.

 

Neu ist allerdings, daß diese Forderung vermehrt auch in den so genannten etablierten Kreisen erhoben wird, unter anderen vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan, dem britischen Unternehmer Richard Branson, dem peruanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa und von dem mexikanischen Autor Carlo Fuentes.

Antje Passenheim berichtete gestern in der taz über ein hochkarätig besetztes Gremium, das die Legalisierung von Drogen fordert, weil der weltweite Kampf gegen sie nach ihrer Meinung gescheitert und nicht zu gewinnen sei. Auch diese These ist schon etwas angegraut, meines Erachtens deswegen keineswegs unrichtig.

Die zitierte Prominenz postuliert:

Politische Führer sollten den Mut haben, öffentlich zu äußern, was viele von ihnen insgeheim wissen: dass es auf der Hand liegt, dass repressive Strategien das Drogenproblem nicht lösen. Der Krieg gegen Drogen ist nicht gewonnen und wird niemals gewonnen werden.

Statt dessen sollte verstärkt auf Aufklärung, legale Regulierung von Drogen und medizinische Hilfe gesetzt werden.

Doch bei den angesprochenen politischen Größen stößt diese Forderung auf taube Ohren, berichtet Antje Passenheim:

Die Regierung habe nicht die Absicht, Drogengesetze zu liberalisieren, entgegnete ein Sprecher des Londoner Innenministeriums. „Drogen sind illegal, weil sie schädlich sind. Sie zerstören Leben und verursachen unermesslichen Schaden in Familien und Gemeinden.“

Und was empfiehlt der besoffene bekiffte geneigte Blogleser?

Legalize it?


     

 

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Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines (Kanzlei) veröffentlicht.

22 Antworten auf Legalize it!

  1. 1
    Sash says:

    Ich denke, die Argumente der Befürworter einer Legalisierung sprechen für sich.
    Es geht dabei ja auch nicht um die Erlaubnis, künftig Kleinkinder mit Kokain zu füttern. Sinnvolle Zugangsbeschränkungen sind bei gefährlichen Stoffen (wie es ja auch bei legalen Drogen gehandhabt wird) notwendig.
    Aber die Aussicht auf das Austrocknen eines kriminellen und deswegen gefährlichen Geschäftes, die Aussicht auf Steuermehreinnahmen, die Entlastung sowohl von Konsumenten als auch beispielsweise der Justiz lässt mich vermuten, dass man mit den frei gewordenen Ressourcen auch anständige Aufklärungs- und Gesundheitsprogramme auf die Beine stellen könnte.
    Also ich bin dafür, gleichwohl mir selbst die legalen Drogen reichen würden ;)

  2. 2
    MaxR says:

    Das Argument, daß der Kampf nicht zu gewinnen sei, ist Unfug und hilft der guten Sache nicht – dann müßte Vieles legalisiert werden. Von der Kleinkriminalität bis zum Terrorismus.

    Andere Argumente sind hilfreicher.

  3. 3
    Andi says:

    Ich habe den Eindruck, dass viele Leute über 40 oder 50 sich sentimental an ihre Jugend erinnern und da gehörte Kiffen dazu und schlimm war es auch nicht. Geht mir selber so. Aber wir lassen völlig außer acht, dass damals auch die Wirkung des Kiffens viel schwächer war.

    Heute sind die Wirkstoffe viel höher konzentriert und dadurch drehen die Kiffer viel schneller ab. Wenn ich sehe, was an der Schule meines Sohns für Kiffer-Opfer herumlaufen, die schon mit 13 oder 14 nichts mehr auf die Reihe bekommen und in ihrer Parallelwelt hausen, mit hilflosen Eltern, dann kann ich nur entschieden gegen die Legalisierung sein.

  4. 4
    Lexus says:

    Legalisieren würde das Signal senden, dass es gar nicht so schlimm sei und man es ruhig konsumieren dürfte.

    Das Verbot + straffreiheit bei Eigenbedarf ist denk ich schon der richtige Weg. Es zeigt die Gefahr von Drogen, ohne die Konsumenten übermäßig stark zu kriminalisieren.

  5. 5
    RANRW says:

    @MaxR: Ihr Vergleich passt schon nicht, da es sich bei „Kleinkriminalität“ und „Terrorismus“ um Fremschädigungen handelt und es demgegenüber bei Drogen um eine – mögliche – Selbszschädigung geht. Nach Ihrer Argumentation hätte ja auch die Prohibition (mit all den durch sie gestärtkten Mobstern) fortgeführt werden müssen.

    Im Vorwahlkampf der Republikaner für die Präsidentenwahl 2012 in den USA gibt es mit Dr. Ron Paul – einem Kongressabgeordneten aus Texas – einen aktiven Politiker – der Republikaner ! – , der den Unsinn des „war on drugs“ betont und für eine völlig geänderte und libertäre Drogenpolitik eintritt.

  6. 6
    Hans says:

    @Andi: Ich habe den Eindruck, dass…

    …Leute wie Sie auch alles glauben, was die Gegner so an Märchen und Propaganda von sich geben. Insbesondere die Geschichte mit dem höheren Wirkstoffanteil ist einfach nur von vorne bis hinten lächerlich. Es ist weder ansatzweise so dramatisch wie vor allem Behörden wie BKA behaupten, noch hat das irgendwelche wirklichen Auswirkungen. Der Nutzer reguliert das schnell selber und dosiert halt geringer. Und das ist in Studien erwiesen.

  7. 7
    Hans says:

    Lexus: Und was wäre an dem Signal so falsch? Es IST nicht so schlimm und man darf es ruhig konsumieren. Es werden prozentual doppelt soviele Alkoholtrinker abhängig wie Cannabiskonsumenten. Ich kenne sehr viele Leute die gelegentlich Cannabis konsumieren und keine Probleme damit entwickeln. Ich kenne auch Leute die sehr viel Cannabis konsumieren und trotzdem ihr Leben (mehr oder weniger) meistern.

  8. 8
    McGruber says:

    Ich verkaufe selbst Drogen. Da ich Apotheker bin, mach ich das legal.

    Aber mal Ernst:
    Wenn ich mir die ganzen „Benzodiazepin-Junkies“ (Valium, Rohypnol und Co.) in der Apotheke ansehe, dann finde ich, dass es ganz sinnvoll ist, dass der Verkauf/Erwerb von Cannabis in Deutschland verboten und unter Strafe gestellt ist.

    Mit Benzodiazepinen meine ich beispielsweise Flunitrazepam (Rohypnol) und mit den „Junkies“ meine ich jetzt nicht den abgehalfterten Bahnhofsobdachlosen, sondern die gutsituierten älteren Damen Ende 40, die vom Arzt aufgrund persönlicher Probleme (Tod des Mannes, berufliche Überforderung, etc.) mal Benzos zur Beruhigung verschrieben bekommen haben und davon nie wieder weg kamen und süchtig wurden.
    Diese bekommen seit Jahren weiterhin Benzos verschrieben, um ihren Level zu halten; das ganze allerdings unter ärztlicher Kontrolle. Es wird dort niemals mehr erreicht werden können, dass diese wieder „clean“ werden.

    Diesselbe Nummer gibt es bei vielen anderen Medikamenten, durchaus auch bei verschreibungsfreien (Schmerzmittel wie ASS, Abführmittel und Immodium sind klassische Beispiele). Realistisch ist so ziemlich fast jede Droge, die am Bahnhof verkauft wird, als Medikament auf Rezept oder BTM-Rezept in einer Apotheke erwerbbar und vom Arzt bei einem Drogenproblem auf Rezept verschreibungsfähig. Da haben wir sehr viel in der Schublade oder im Tresor.

    Sowas sollte aber unter Kontrolle bleiben. Da hört auch der vielzitierte „mündige Bürger“ auf.
    Daher ist meiner Meinung nach die Legalisierung von Drogen hier der falsche Weg.

  9. 9
    MaxR says:

    @RANRW: Ich präzisiere.
    Im Prinzip und für die Fachdiskussion mögen Sie recht haben. Allerdings ist die öffentliche Diskussion immer stark vereinfacht und da wird die von mir genannte Replik sicherlich als Diskussionsbeendigungsschalgmichtotargument kommen. Unser Innenminister schaut schon so, als würde er gleich den Mund aufmachen. Wetten?

    Deshalb sollte man das Argument eher gar nicht verwenden, bevor man den sog. „Meinungsmachern“ eine derart billige Argumentation schenkt.

    Da gibt es wirklich bessere Argumente.

  10. 10
    bnnn says:

    Ich glaube, dass die meisten Legalisierungsbefürworter nicht sehen, dass es für dieses Problem keine gute Lösung gibt. Es gibt nur schlechte, schlechtere und katastrophal schlechte „Lösungen“.

    Aktuell dürften wir eine durchschnittlich Schlechte haben, die sich allerdings bedingt bewährt hat und kontrollierbar ist.

    Die Legalisierung könnte eine etwas weniger schlechte Lösung, aber auch eine viel schlimmere sein. Also lässt man es lieber.
    Kann ich irgendwo nachvollziehen.

    Abgesehen davon sollten die Legalisierungsbefürworter mal ein von vorne bis hinten durchdachtes Konzept vorlegen. Hab‘ ich bisher nicht zu Gesicht bekommen. Irgendwo gibt es immer einen mächtigen Haken.

  11. 11
    Hans says:

    Ich hatte hier gestern noch nen dritten Kommentar geschrieben, aber da kam ne Meldung, der sei in Spam einsortiert worden. Herr Hönig, mögen sie mal gucken?

    @McGruber: Ich kann dem Vergleich nicht zustimmen. Benzos haben doch dann ein deutlich anderes Suchtpotential.

  12. 12
    McGruber says:

    @Hans:
    Klar, Benzos haben ein anderes Suchtpotential als Haschisch. Was ich damit vor allen Dingen sagen wollte: Es gibt viele Menschen, die Probleme mit einer Sucht haben und das kann durchaus auch mit legal erwerbaren Drogen (=Arzneimitteln) sein. Diese Suchtbolzen krieg ich in einer Apotheke tagtäglich mit. Da müssen wir Drogen, die keinen Arzneiwert haben, nicht erst noch zusätzlich legalisieren.
    Aber ein bestimmtes Abhängigkeitspotential ist bei Haschisch zweifelsohne vorhanden, das kann niemand abstreiten. Dauerhafte Persönlichkeitsveränderungen sind bei Dauereinnahme beschrieben.

    Ich habe oben zusätzlich noch Arzneistoffe (sind ja auch Drogen, werden halt nur anders bezeichnet) aufgeführt, die allgemein als harmlos betrachtet werden, frei verkäuflich sind und ebenfalls ein Abhängigkeitspotential haben:
    ASS (=Aspirin) beispielsweise werfen sich nicht wenige Leute täglich ein. Das sorgt bei Dauereinnahme dann zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Und dagegen wird dann noch ne ASS eingeworfen. Ein Teufelskreis. Und das ist durchaus auch eine Sucht.
    Abführmittel (insbesondere die pflanzlichen!!!) haben ebenfalls Suchtpotential. Wenn ein 16jähriges Mädel das Zeugs dauerhaft einwirft (normalerweise weil sie abnehmen will), kann sie mit 18 Jahren nicht mehr ohne auf Toilette. Das ist auch eine Sucht.

    Natürlich haben wir da keine Beschaffungskriminalität. Aber wenn das bei Aspirin und den Abführtabletten schon nicht klappt, wird es bei Haschisch auch nicht klappen.

    Falls jemand doch für die legale Abgabe von Haschisch ist, dann wäre ich dafür, die Abgabe über Ärzte und Apotheken kontrolliert ablaufen zu lassen (und man werfe mir da jetzt nicht bitte sofort Gewinnstreben vor). Gegen sowas werden sich realistischerweise die Apotheker aus berufsethischen Gründen wehren. Aber wenn man das schon legalisieren muss, dann lieber in kontrollierter Qualität (Pharmaqualität) als aus dubiosen Quellen.

    Was THC angeht: Da ist momentan vom Gesetzgeber etwas in Bewegung. Gerade wird die BTM-Verordnung abgeändert, damit THC demnächst verkehrsfähig wird (gegen Verschreibung bei bestimmten Krankheiten). Soll im 3. Quartal gültig werden.

  13. 13

    @McGruber:

    Natürlich haben wir da keine Beschaffungskriminalität.

    Da genau liegt der Hund begraben. Fahren Sie gleich mal über die Kurfürstenstraße und schauen Sie sich die kaputten Mädels an, die sich dort prostituieren müssen.

    Oder schauen Sie mal in die Akten eines Strafverteidigers, der In-Door-Plantagenbetreiber und Heroinkuriere verteidigt.

    Oder – nichts für schwache Nerven – diese freundlichen Bildchen.

    All das (hier auf ein paar Beispiele beschränkt) fiele weg, wenn man das Zeug bei Ihnen in der Apotheke einkaufen könnte.

  14. 14
    Andi says:

    @hans

    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass 13- oder 14jährige Jungs ihren Drogenkonsum einschätzen und steuern können?

    Ich kenne leider einige Beispiele, dass das überhaupt nicht funktioniert. Diese Jungs machen eine Drogenkarriere, weil man (zumindest in Berlin) das Zeug überall bekommt und auch auf Schulhöfen. Und einige von denen sind mit 14 oder 15 nicht mehr fähig, dem Unterricht zu folgen oder halbwegs regelmäßig zur Schule zu gehen.

  15. 15
    Pitch says:

    Ob Drogen legalisiert oder illegal sind, ist für den geneigten Konsumenten letztlich nicht entscheidend. Jedenfalls beeinflußt dieser Fakt die Entschließung für/gegen Drogen kaum. Auch praktisch ergeben sich kaum Unterschiede. Die Szene hat gut ausgebaute und redundante Abgabestrukturen geschaffen. Der Markt regelt sich auch hier durch Preis und Qualität. Das alles geschieht unterhalb der Wahrnehmungsgrenze der meisten Bürger. Das heißt im Ergebnis, dass nicht die Legalisierung oder Kriminalisierung von Drogen, zur Lösung der „durch Drogen“ geschaffenen Probleme führen wird, sondern ein anderer, zeitlich früherer Ansatz gesucht und verfolgt werden muss.
    Ich denke, dass viele gesellschaftliche Aspekte zum problematischen Konsum von Rauschsubstanzen führen können.(Gewalterlebnisse, Langeweile, Perspektivlosigkeit, Gruppendynamik, Lebensbeschleunigung, Überforderung usw) Wenn es uns gelingt gefährdeten Menschen oder Gruppen Hilfsangebote u/o Beratungsangebote zu machen, sie zu motivieren oder sonst wie abzuholen, dann reduzieren wir die „negativen“ Gründe, Drogen zu überhaupt in Betracht zu ziehen und ggf zu mißbrauchen.
    Ein heres Ziel, dass viel viel Geld kostet! (möglicherweise aber weniger Geld, als eine rigide „war on drugs“ Politik durchzusetzen)

  16. 16
    Nicht mehr aus Trier says:

    Gerüchten zufolge wird die nächste Legalize-Kampagne von der ERGO-Versicherung gesponsort. :-)

  17. 17
    Helmut Karsten says:

    Niemals! Denn dann könnte ja jeder Depp kiffen. Die sollen mal ruhig ihr Bier weitersaufen.

  18. 18
    McGruber says:

    @Herr Hoenig:
    Die Mädels von der Kurfürstenstraße haben kein Problem mit Haschisch, das dürfte eher Heroin oder Crack sein. Wegen ein paar Gramm Hasch für nen Dübel prostituiert sich niemand.

    Die Bilder selbst schocken jemand mit nem Medizin- oder Pharmaziestudium leider nicht mehr. So ein Bild eines Gangräns, eines Patienten mit Pocken oder eines abgefaulten Fußes sehen da (leider) schlimmer aus.

    Ich krieg das Problem der Drogenkriminalität auch live mit, Frankfurt dürfte mit Berlin vergleichbar sein: Junkies, die sich bei uns das Methadon abholen; Junkies, die mir regelmäßig gefälschte Rezepte unterjubeln wollen; Junkies auf Turkey, die mich auf Knien anbetteln, damit ich ihnen Codein oder ähnliches ohne Rezept abgeben soll (was ich nicht mache).

    Das simple „Legalize it“ ist eine Parole, die einen einfachen Weg da suggeriert, wo er so einfach nicht machbar ist. Für einen Politiker kommt das aber zugegebenermaßen bei der Bevölkerung super an. Auch manche Boulevardblätter arbeiten mit dieser Methode. Das ist aber leider nur Populismus.

    Die Freigabe von Haschisch ist ein Faß, welches sich nach der Legalisierung nie wieder rückgängig machen lässt. Das funktioniert so in den Niederlanden schon nicht und wird auch hierzulande nicht klappen.
    Besser wäre es, bestehende Programme zur Bekämpfung der Drogenkriminalität weiter auszubauen und weitere Programme zu entwickeln.

  19. 19
    McGruber says:

    Ergänzend:
    Was ich meine, sind beispielsweise Programme zur direkten Abgabe von Drogen auf ärztliches Rezept über den Arzt selbst, über Apotheken oder andere Sozialstellen, wie es bei Heroin teilweise schon gehandhabt wird. Ich meine weiterhin Programme zur Reduzierung des Drogenkonsums beispielsweise über Methadon, welches zwar die Sucht beibehält, mit denen die Menschen allerdings wieder „funktionierend“ werden. Auch von Seiten der Pharmaentwicklung kann man Medikamente entwickeln, die einen Genuss von Drogen unattraktiv werden lassen (zur Bekämpfung des Alkoholismus gibt es beispielsweise Disulfiram, ein Medikament welches den Alkoholabbau verhindert, so dass den Leuten nach Alkoholgenuss dermaßen kotzübel wird, dass sie das lassen).

    Das ist alles besser als eine Freigabe von Drogen.

  20. 20
    Andy says:

    Was ich immer beeindruckend finde, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Bataillone zugedröhnter Teenager und junger Erwachsener ins Bild geschoben werden, wannimmer irgendwo eine Diskussion über die Legalisierung von Drogen angeschoben wird.

    Fakt ist doch: Prohibition und Strafandrohung funktionieren nicht.

    Wer kiffen will, kifft.
    Wer koksen will, kokst.
    Wer fixen will, fixt.
    etc.

    Das Zeug ist in jeder Großstadt überall zu haben.

    Die Einzigen, die von der aktuellen Regelung profitieren, sind die Hersteller und Großverteiler, die das Zeug unter dubiosen Bedingungen herstellen, verschiffen, in Hinterhofküchen strecken, usw.

    Wir belasten unser Staatswesen (und damit jede(n) Einzelne(n) von uns) mit einem Wust an Strafverfolgung, setzen Konsumenten einem hochkriminellen Schwarzmarktumfeld aus, lassen uns Milliarden und Abermilliarden an Steuereinnahmen durch die Lappen gehen und bekommen rein gar nichts dafür, außer benutzter Spritzen auf dem Spielplatz und Sekundärkriminalität aus dem Beschaffungsumfeld.

    Ich möchte die Disputanten dann immer gern fragen: Hättest Du gekifft/geschnieft/gespritzt, wenn das Zeug legal erhältlich gewesen wäre?

    Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die überwiegende Anzahl der Gefragten diese Frage mit ‚Nein‘ beantworten würde.

    Wie genau eine legalisierte Drogenabgabepraxis aussieht, darüber kann Mensch sicher diskutieren (gegen Altersnachweis in der Apotheke, über zertifizierte Drugstores, …).

    Aber diese bigotte ‚Aus-Den-Augen-Aus-Dem-Sinn‘-Mentalität der Prohibition, Kriminalisierung, Strafvefolgung, … sollte in meinen Augen aufhören.

    Ich will bewusstseinsverändernde Substanzen nicht schönreden: Es besteht die Gefahr, dass Leute drauf hängen bleiben, genau wie auf Valium, Ritalin, Morphin, Alkohol, usw.

    Aber meiner Meinung nach gehört das zum allgemeinen Lebensrisiko jedes Einzelnen dazu.

  21. 21
    McGruber says:

    @andy:
    Ich seh das aber an den Arzneimitteln: Der Normalbürger ohne Kontakt ins kriminelle Milieu kommt da an die ganzen Schlafmittel, Beruhigungsmittel und Schmerzmittel nicht so einfach ran.
    Und wenn dann die Oma doch mal was zur Beruhigung braucht, dann verschreibt der Arzt Baldrian. Das kann sie nehmen, das Zeug ist harmlos. Daher nehmen auch 2/3 der älteren Damen ab 60 Jahren Baldriantabletten zum Einschlafen. Schadet nix und ehrlich: bringt auch nix, außer der Beruhigung, dass man jetzt ne Tablette zum Einschlafen nimmt. Aber wie gesagt: Schadet auch nix, ist ein nettes Placebo.

    Nehmen wir mal an, dass Valium einfach so in der Apotheke ohne Rezept erhältlich wäre: Dann würde die Omi jetzt Valium verlangen und das jetzt dauerhaft nehmen und ich (als Apotheker) müsste ihr das jetzt auch aushändigen. Nach spätestens 2 Monaten wäre sie nicht nur psychisch abhängig („kann nicht schlafen, brauche jetzt ne Tablette“) von den Valiumtabletten (wie bei Baldrian), sondern auch physisch, also körperlich. Das Zeug hat verdammt unangenehme Nebenwirkungen bis hin zum Tode.

    Natürlich könnte sie das Zeug auf jedem Bahnhof illegal erwerben. Nur welche ältere Dame holt sich die Beruhigungstabletten schon vom Bahnhof und hat die Kontakte?

    Zugegebenermaßen: Der Vergleich mit Hasch, Heroin und Co. hinkt ein wenig, da das Zeug an jedem gutsortierten Schulhof für die Kids erhältlich ist. Aber so lange das Zeug illegal ist, kommt man da schon mal schwerer dran. Mach es legal und man bekommt es in jeder Bahnhofskneipe. Da züchten wir uns ein Volk von Süchtigen ran: „Naja, ausprobieren kann man es mal!“

    Übrigens: Wenn wir über die Legalisierung von Hasch reden, sollte man auch über die Legalisierung von Ecstasy oder anderer „weicher“ Drogen reden. Bin ich aus denselben Gründen auch dagegen.

    Den Erfolg dieser „Prohibition“ sieht man doch schon an Zigaretten. An den Automaten muss man heutzutage zum Altersnachweis ne EC-Karte durchziehen, im Supermarkt erhält man die Dinger nur noch gegen Altersnachweis. Das finde ich richtig!
    In den letzten Jahren ist der Anteil der jugendlichen Raucher zurückgegangen und das obwohl die Nummer am Automaten oder die Nummer im Supermarkt locker einfach von älteren „Freunden“ umgangen werden kann. Hier bringt die Erschwernis des Zugangs schon etwas…

    Vielleicht sehe ich es aber nur aus der Warte eines Apothekers: Ich erklär praktisch täglich irgendjemanden, dass er für sein Medikament ein Rezept braucht und er das jetzt aus vernünftigen Gründen, die seiner eigenen Gesundheit dienen, nicht ohne bekommt. Und dieser Meinung bin ich aus fachlicher Sicht. Betriebswirtschaftlich wäre es ja eigentlich sogar von Vorteil, sowas ohne Rezept abzugeben: Geld gemacht, jemanden süchtig gemacht: der kommt wieder…

  22. 22