Knast

Raus und Rein

Eine Frau ist am Samstag aus der Untersuchungshaft in Berlin-Lichtenberg geflohen. Sie nutzte offenbar bei der Anlieferung des Mittagessens eine Möglichkeit zu entwischen – unter dem Transportwagen.

berichtete am Sonntag der Tagesspiegel.

Nicht gut geplant, denn irgendwann gingen der Frau wohl die Kohlenhydrate aus. Und Geld, um (legal) für den Nachschub zu sorgen, war auch nicht zur Hand. So geschickt die Flucht war, so ungeschickt war die Suche nach Eßbarem:

Nach ihrer Flucht am Samstag aus dem Frauen-Gefängnis in Berlin-Lichtenberg ist eine 28-Jährige Untersuchungsgefangene am Sonntag wieder festgenommen worden. Die Frau, die wegen des Verdachts auf einen Raubüberfall einsaß, ging nach einem Ladendiebstahl in Charlottenburg der Polizei ins Netz.

berichtet heute morgen die Morgenpost.

Das wird nun ein wenig dauern, bis die Frau in den Genuß von Vollzugslockerungen kommen wird.

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Fiebermessen im Knast

Beim Betreten der Untersuchungshaftanstalt Moabit wurde mir von dem Wachtmeister ein Stück Altpapier in die Hand gedrückt. Das Grippe-Merkblatt:

Hervorhebungen durch den Verfasser

Da stellen sich für mich doch gleich ein paar Fragen.

Fiebermessen
Unterm Arm? Oder wo?
Ist das Meßgerät geeicht?
Nehmen die Fiebermesser an Ringversuchen teil?
Welche Grenzwerte sind zu beachten?
Wie ist mit Anflutungs- und Abbauphasen umzugehen?

Schutzmaske
Muß der Besucherausweis mit einem neuen Paßbild versehen werden?
Werden die Schutzmasken von der JVA gestell?
Wer übernimmt die Kosten?
Kann sich der Besucher die Farbe der Masken aussuchen?
Gibt’s die Masken in unterschiedlichen Größen (Stups-/Knollennase)?

Da kommt noch ein gehöriger Regelungsbedarf auf unsere Justizverwaltung zu. Die Herren und Damen Juristen mit den Prädikatsexamen sollten sich schon ‚mal warmlaufen.

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Randale im Kieferngrund

Kieferngrund

In der Untersuchungshaftanstalt Kieferngrund in Lichtenrade haben mehrere Jugendliche am Samstagabend randaliert.

berichtet der Tagesspiegel.

Den Jungs sei zu warm gewesen, analysierte die Justizsenatorin Gisela von der Aue.

Muß wohl so richtig warm gewesen sein, jedenfalls hat man 2 Stunden gebraucht, um wieder Ruhe in den Karton zu bekommen.

Verletzt wurde niemand.

Aber vielleicht hat es auch an der Überbelegung mit Häftlingen und Unterbesetzung beim Personal gelegen. Oder so.

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Sparen statt Störsender

Mit Störsendern wollte die Senatsjustizverwaltung den illegalen Handytelefonaten von Häftlingen in Strafanstalten möglichst schnell einen Riegel vorschieben.

Der aktuelle Haushaltsentwurf des Landes Berlin für die Jahre 2010/11 durchkreuzt diesen Plan jedoch: Statt der veranschlagten 2,5 Millionen Euro stehen in den kommenden beiden Jahren nur noch 600 000 Euro für diesen Posten bereit. Eigentlich sollten die Handyblocker in einem Pilotprojekt auf dem Gelände der Jugendstrafanstalt Plötzensee bereits Anfang 2010 in Betrieb gehen. Jetzt fallen die Störsender dem Sparzwang zum Opfer.

berichtet die Berliner Morgenpost.

Mich haben die Anrufe der Mandanten in unserer Kanzlei aus dem Knast bisher noch nicht gestört; aus dieser Sicht besteht also keine Eile.

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Zu wenig Aufsicht in Tegel

In der JVA Tegel sind die Wärter knapp geworden, berichtet die Berliner Morgenpost.

Die einen weisen auf das dadurch entstehende Sicherheitsrisko hin. Die anderen auf die untragbaren Zustände für die Gefangenen.

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Dreiste Knastflucht aus Sicht eines Insiders

Während meiner Jahre in verschiedenen deutschen JVAs habe ich persönlich es nur ein einziges Mal erlebt, dass ein Häftling entwichen ist. Diese Flucht allerdings war um so spektakulärer. Oder nennen wir sie besser: ebenso dreist wie einfallsreich. Wir haben damals alle sehr darüber gelacht.

schreibt der Vollzugsteilnehmer, ein ehemaliger Strafgefangener, in seinem lesenswerten Weblog „Knastgeschichten“ und reagiert damit auf meinen Beitrag zum Schaffhausener Loch.

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Kein Bock auf U-Haft

Schaffhausener Loch

In der Nacht auf Mittwoch ist ein Untersuchungshäftling auf spektakuläre Weise aus dem Schaffhausener Gefängnis Beckenstube geflohen: Wahrscheinlich mit Möbelteilen hat er unbemerkt ein Loch in die Gefängnismauer geschlagen. Bemerkt wurde das erst, als der Flüchtige schon über alle Berge war.

Quelle: ka-news.de

Danke an doppelfish für den Hinweis auf das Loch. crh

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Feiertag

Der Mandant wurde in Berlin verhaftet. Der Haftbefehl stammt aus München und mußte dem Mandanten gestern vom Berliner Haftrichter verkündet werden.

Der Mandant hat ein wasserdicht erscheinendes Alibi: Sein Lehrer bestätigt, daß er zur Tatzeit, davor und danach in Berlin, aber nicht in München war. Seine Freundin auch. Sie sagt auch, daß er in den letzten 2 Jahren nicht in München war. Sogar die Wachtmeister glauben dem Mandanten, daß er nicht dort war.

Gestern war aber Feiertag in Bayern. Daher war dort weder der zuständige Staatsanwalt, noch der bayerische Haftrichter zu erreichen.

Deswegen entschied der Berliner Richter: Er bleibt drin, bis die Bayern entscheiden, was mit ihm passiert. Das wird frühestens im Laufe dieses Vormittags passieren.

Worst case: Die Bayern wollen ihn sehen. Dann wird er nach München verschubt. Das dauert locker eine Woche. Vor dem Amtsgericht München wird dann in spätestens 14 Tagen die Haftprüfung stattfinden. In der werden die Alibizeugen gehört. Die werden auch nach München anreisen müssen.

Variante: Die Münchener Justizangehörigen nehmen den Brückentag zum Anlaß, zum Gardasee zu fahren, und stehen erst Montag wieder im Dienst. Wenn der Mandant dann Glück hat, bleibt er solange in Berlin. Mit der Option auf den worst case danach.

Und das alles, weil jemand meint, den Mandanten auf einer Lichtbildvorlage wiedererkannt zu haben.

Dem Mandanten wurde vor 5 Jahren der Besitz von 5 Gramm Marihuana vorgeworfen, aber nicht nachgewiesen. Man hat damals eine erkennungsdienstliche Behandlung durchgeführt und seine Daten, Bilder und Fingerabdrücke gespeichert. Das war seinerzeit auch in Bayern. Diese Datensammlung fällt ihm nun auf die Füße.

Die Angehörigen des Mandanten wollten das alles nicht hören. Ich mußte es ihnen trotzdem erzählen. Es gibt schönere Momente im Leben eines Strafverteidigers.

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Keine weiteren Folterszenen

Barack Obama hat verhindert, dass weitere Fotos von Folterszenen aus dem Gefängnis Abu Ghraib veröffentlicht werden. Die Begründung: Neue Bilder würden die US-Truppen in Irak und Afghanistan gefährden.

Bei der taz gibt es die bisherigen zur gefälligen Ansicht.

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JVA Straubing: Ein Insider-Bericht

Zu dem Beitrag Rausschmiss nach 21 Jahren gibt es einen Kommentar, der nicht in der zweiten Reihe bleiben sollte. Ein ehemaliger Häftling der JVA Straubing bestätigt die von Hans Holzhaider in einem Artikel für die Süddeutsche Zeitung beschriebenen Zustände:

Während meiner etwa drei Jahre in der JVA Straubing habe ich es mehrfach erlebt, dass Langzeitgefangene ohne jegliche Entlassungsvorbereitungen (wie z.B. Ausführungen, Ausgänge oder Urlaube) von einem Tag zum nächsten entlassen wurden. Wer denkt, Herr Sieber sei ein Einzelfall, kenn die Realitäten nicht. Ein solcher Gefangener meinte am Vorabend seiner Entlassung auf meine Frage, was er denn mache, wenn er vor dem Tor stehe, zu mir Folgendes: “Na, dann nehme ich meine Tüten und schaue, ob ich nach rechts oder links gehe…”.

Hier geht’s zu dem vollständigen Bericht.

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