Knast

Noch ein Weihnachtsgeschenk

Nachdem meiner Haftbeschwerde stattgegeben wurde, gab es nun auch in Berlin einen Grund zum Feiern, berichtet die taz:

Als Richterin Petra Müller am Donnerstagmittag gleich zu Beginn des Prozesstages die Aufhebung des Haftbefehls gegen die Angeklagten verkündet, ist im Saal kein Mucks zu hören. Für eine Sekunde. Dann bricht unter den Zuhörern Applaus und Jubel aus. Der 20-jährige Yunus K. springt auf, nimmt seinen Freund und Mitangeklagten, den 17-jährigen Rigo B., in die Arme. Die Eltern schlagen weinend die Hände vors Gesicht. Selbst die Verteidiger wischen sich Tränen aus den Augenwinkeln.

Nach mehr als sieben Monaten: Frohes Fest, yeah!

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Glück gehabt

Da stand ich nun in der JVA Köln und wollte meinen Mandanten besuchen.

Ich hatte mich angemeldet und meinen Anwaltsausweis selbstverständlich nicht vergessen. Die freundlichen Wachtmeister wollten mich dann auch reinlassen, aber mein Notebook nicht. Das ist Teufelszeug, das kennt man dort nicht und überhaupt: Sowas hat man früher auch nicht gebraucht.

Das Hightechgerät blieb erstmal im Schließfach, zusammen mit meinem Telefon, und ich wurde zwei Etagen nach oben geschickt, dort sollte ich dann weiter sehen.

Die Wachteln oben dann ließen mich telefonieren („Eine „0“ vorwählen, dann haben Sie ein Amt.“):

Erster Anruf in der Kanzlei, um die Telefonnummer des Staatsanwalts zu erhalten (die hatte ich in der Datei „Kontakte“ im Mandantenverzeichnis auf dem Notebook gespeichert).

Dann ein Stoßgebet.

Zweiter Anruf beim Staatsanwalt – Bingo: Er war erreichbar!! Und er sagte mir zu, sofort ein Fax in die JVA zu schicken:

notbuch

Mit diesem Schein durfte ich dann mein Notebook aus dem Schließfach holen und meinen Mandanten aufsuchen.

Quintessenz: Völlig veraltete und sinnlose Vorschriften, aber freundliches und hilfsbereites Personal in der JVA Köln. Und ein Staatsanwalt, der trotz widerstreitender Interessen eine faire Auseinandersetzung betreibt.

Aber bei soviel Pech muß man ja auch mal Glück mit der Justiz haben.

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Suizid in Moabit

Zum dritten Mal binnen vier Wochen hat sich in Berlin ein Gefangener in der Untersuchungshaft selbst getötet. Offenbar funktioniert die Überwachung der Gefangenen nicht.

Presseberichte in der Berliner Morgenpost und der Berliner Zeitung.

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Gnadenloser Posteingang

Der Mandant hat Post bekommen.

post

40 böse Briefe in 20 Tagen von Gerichten / Justizbehörde / Polizei. Ausgerechnet in den 20 Tagen an mich versandt, an denen ich in der Plötze sass.

Glücklicherweise hat der Mandant einen engagierten Betreuer, der sich nun um die Post kümmert. Und auch darum, daß er sich weiterhin psychiatrisch behandeln läßt. Die Justiz kennt keine Gnade …

 

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Überdosis Knast

Eine 35-jährige Gefangene starb in der Frauenhaftanstalt in Lichtenberg an einer Überdosis Heroin. Darüber berichten seit gestern ein paar Zeitungen in Berlin. Der Vorfall ereignete sich allerdings nicht vorgestern, sondern bereits am 13. August.

Ob die Frau sich mit der Überdosis ihren Weg aus der Haft freischießen wollte, wird nicht berichtet. Näher liegt der Gedanke, daß sie das in die Justizvollzugsanstalt geschmuggelte Heroin versehentlich falsch dosiert hat. Was bei den wechselnden Qualitäten der Betäubungsmittel, ganz besonders im Knast, nicht besonders schwierig ist.

Aus welchem Grund diese Information knapp zwei Monate brauchte, um an die Öffentlichkeit zu gelangen, ist ebenso wenig bekannt. Ob ein Zusammenhang besteht mit der erfolgreichen Flucht einer Gefangenen, die – ebenfalls im August – während der Mittagspause „abhanden“ gekommen war?

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… in Unschuld

Da hatte wohl jemand in der Verwaltung des Kriminalgerichts eine Idee. Seit ein paar Tagen hängen im gesamten Gericht verteilt Gerätschaften, denen sich die Besucher die Hände waschen können.

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Wie es im Einzelnen funktioniert, wenn man sich die Hände waschen will, kann man hier nachlesen.

Ob die Dinger auch in den Gängen hängen, durch die die Gefangenen aus der Untersuchungshaft ins Gericht geführt werden, ist mir (noch) nicht bekannt.

 

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Nebenerwerbsgeschäfte in der JVA Tegel

In einem Verfahren vor dem Amtsgericht Tiergarten geht es zur Zeit um einen Diebstahl etwas größeren Umfangs, der in der JVA Tegel statt gefunden haben soll:

Unbefugt in den Besitz des seit dem 1. November 2005 in der Hauskammer beschäftigten Arnold G. gelangten danach mindestens ein Satz Bettwäsche, eine Halskette, ein Ohrring, Turnschuhe, ein Laptop Toshiba, eine Sonnenbrille (Wert 200,- Euro) und zwei Armbanduhren, darunter eine Rolex, deren anstaltsüblichen Wert der Angeklagte mit 490,- Euro angibt.

berichtet c. rockenschuh auf Berlin Kriminell. Wenn sich die Häftlinge untereinander beklauen, kümmert es in der Regel wenige. In dieser Sache sollen allerdings Justizbeamte eine tragende Rolle gespielt haben:

… Arnold G. sagt: “Die Kette und den Ohrring habe ich vom Beamten Z. gekauft.” Sprich dem Leiter der Hauskammer. ‘Inhaftiertengeschäfte’ nennt der Angeklagte diesen Transfer und ergänzt, auch der Laptop, den ihm Z. neben der teuren Brille und anderen Sachen anbot, sollte ‘verrechnet’ werden. Denn Z. hatte sich, so der Angeklagte, von dem seit Oktober 2005 Inhaftierten Geld geliehen. 320,- Euro waren noch offen.

Unüberschaubare Geschäfte zwischen Schließern und Knackis. Da wird dann auch die Justiz etwas hellhöriger. So oder so: Die JVA Tegel ist eben kein Hort der Ehrlichkeit.

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Kunst am Bau

Kunst am Bau

Am (Hinter-)Eingang zum Kriminalgericht in Moabit, in dem auch die Untersuchungshaftanstalt Moabit untergebracht ist.

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Tote Karnickel und Knackis

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Interessante Mischung da auf dem Schild in einer sächsischen Kleinstadt.

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Ladung zum Haftantritt

Die Mandantin hat Glück gehabt, sie hat nicht in Untersuchungshaft gesessen und wurde auch nicht nach der Urteilsverkündung im Saal verhaftet.

Nun hat sie die erwartete Ladung zum Haftantritt bekommen. Zusammen mit einer Bedienungsanleitung:

Haftantritt

Mitgebracht werden dürfen: Kleidung, Bargeld bis 51,13 €, …

Ja, wir hatten mal ne Währungsreform.

Nicht erlaubt ist das Einbringen von Waffen, …

Das ist aber jetzt nicht sonderlich überraschend.

Einen habbich aber noch:

Alkoholische Getränke und andere rauschverursachende Substanzen dürfen ebenfalls nicht mitgebracht werden.

Nein, die bekommt man im Haus auf’s Zimmer geliefert. ;-)

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